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Tebartz-van Elst wieder in Limburg

Frankfurt/Limburg. Eigentlich wähnte man Franz-Peter Tebartz-van Elst im Kloster. Stattdessen hält sich der suspendierte Bischof offenbar wieder regelmäßig in Limburg auf. Wegen der Kostenexplosion für seinen Amtssitz wurde er erneut schwer belastet. epd

Der suspendierte Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hält sich offenbar wieder regelmäßig an seiner alten Wirkungsstätte auf. Das berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") unter Berufung auf Kirchenkreise. Demnach erteilt Tebartz-van Elst seinem Stellvertreter, Generalvikar Wolfgang Rösch, im Hintergrund Weisungen. Er lebe mehrere Tage im Monat in seinem Amtssitz auf dem Domberg. Das Haus werde von seinem Fahrer geführt, und dieser bekoche ihn auch. Dafür erhalte der Mann Bezüge "etwa wie ein Weihbischof". Laut "FAS" wurde der Bischof auch wegen der Kostenexplosion für seinen Amtssitz (31 Millionen Euro) schwer belastet. Tebartz-van Elst habe die wahren Kosten zwar gekannt, dem Vermögensverwaltungsrat jedoch verschwiegen, sagte Jochen Riebel, Mitglied des Rates und früherer Leiter der hessischen Staatskanzlei. "Über fast zwei Jahre hat man uns im Dunkeln gelassen, regelwidrig Aufträge vergeben und Kredite aufgenommen. Obwohl bereits 2011 eine präzise Kostenschätzung in den Händen des Bischofs gewesen ist - wie wir aus den Akten wissen", sagte der CDU-Politiker. Das sei ein "ungeheuerlicher Vorgang", den es in der katholischen Kirche noch nicht gegeben habe.

Riebel hatte den Bischof bereits mehrfach als Hauptverantwortlichen für das Finanzdebakel an den Pranger gestellt. In einem Zeitungsinterview sagte er zum Beispiel: "Ich kann es mir nur so erklären, dass der Bischof von Limburg entweder ein raffinierter Betrüger oder krank ist."

Riebel sagte der "FAS" weiter, der Architekt des Neubaus und leitende Mitarbeiter des Bistums hätten eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben. Das halte er für "sehr problematisch", weil die Mitarbeiter kraft ihres Dienstverhältnisses ohnehin besonderen Verpflichtungen unterlägen. "Durch das Verlangen einer zusätzlichen Unterschrift werden überflüssiger Druck und Angst erzeugt", sagte Riebel. Weder er noch die beiden anderen Vermögensverwaltungsräte hätten eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben.

Bischof Tebartz-van Elst hatte den Vermögensverwaltungsrat im April 2011 installiert und damit das bis dahin für die Verwaltung des Bistumsvermögens, des sogenannten "Bischöflichen Stuhls", zuständige Domkapitel verdrängt. Neben Riebel hatte der Bischof den Sprecher der Geschäftsführung der Kölner Josefs-Gesellschaft gGmbH, Theodor-Michael Lucas, und den Wirtschaftsprüfer Professor Carl-Friedrich Leuschner in das Gremium berufen.

Papst Franziskus hatte Tebartz-van Elst Ende Oktober nach heftiger öffentlicher Kritik an den hohen Baukosten für den neuen Amtssitz und innerkirchlicher Kritik am Führungsstil des Bischofs vorläufig vom Dienst beurlaubt.