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Kommentar zum US-Türkei-Streit
Recep Tayyip Erdogan droht dem Westen

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan diagnostiziert eine von den USA angezettelte Währungsverschwörung und droht dem Westen mit harschen Worten mit Liebesentzug. Doch wer springt ein als Freund und Finanzier? Von Godehard Uhlemann

Die Lage in der Türkei spitzt sich zu. Wirtschaftlich und finanzpolitisch kommen harte Zeiten auf die Menschen zu. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sieht sein Land im Wirtschaftskrieg mit dem Westen. Er diagnostiziert eine von den USA angezettelte Währungsverschwörung. Mit solch harschen Worten kann der türkische Staatschef bei seinen Anhängern punkten. Dem tun auch die galoppierende Inflation und die beunruhigend hohe Arbeitslosenzahlen kaum Abbruch. Auch sein Appell, die Türken sollten ihre Dollar- und Euroreserven in die Landeswährung umtauschen, ist ein Zeichen schierer Verzweiflung. Geht Erdogan da mit gutem Beispiel voran? Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung rund 40 Prozent an Wert verloren.


Erdogan droht dem Westen mit Liebesentzug. Doch wer springt als Freund und Finanzier ein? Im Fall des Nato-Partners Türkei spielt der Vertrauensverlust die entscheidende Rolle. Zu lange dauerten Ausnahmezustand und Willkür. Grundlegende demokratische Rechte standen und stehen zur Disposition. Was Not tut, wäre verbale Abrüstung.