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Schlagabtausch im Bundestag
Uni kürt Özdemirs AfD-Abrechnung zur „Rede des Jahres“

Cem Özdemir.
Cem Özdemir. FOTO: dpa / Stefan Puchner
Als Deniz Yücel in der Türkei im Gefängnis saß, hielt es Grünen-Politiker Cem Özdemir nicht mehr aus. Er rechnete im Bundestag mit der AfD ab. Jetzt wurde er für seine Rede ausgezeichnet.

Cem Özdemir (52) hat die Rede des Jahres 2018 gehalten. Der ehemalige Grünenchef erhält die Auszeichnung für einen Debattenbeitrag im Bundestag am 22. Februar 2018, wie das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen am Donnerstag mitteilte. Özdemir rechne dabei mit einem von der AfD gestellten Antrag ab, der darauf abzielte, den kurz zuvor freigelassenen Deniz Yücel zu maßregeln. „Vehement verteidigt Özdemir den Verfassungsgrundsatz der freien Meinungsäußerung und weist die AfD in die Schranken. Seine Rede ist ein eindrückliches Plädoyer für eine offene Gesellschaft, gegen Ausgrenzung und Spaltung“, urteilte die Jury.


Scharfzüngig und emotional begegne Özdemir dem Antrag der AfD, hieß es weiter. Er pariere ihn mit großer Verve und rednerischem Können. „In jeder Sekunde des kurzen Beitrags sind Leidenschaft und Engagement des Redners zu hören und zu sehen.“ Özdemir halte ein Plädoyer für die Pressefreiheit: „Bei uns in der Bundesrepublik Deutschland ist das Parlament keine oberste Zensurbehörde.“ Der AfD hält er entgegen: „Sie verachten alles, wofür dieses Land in der ganzen Welt geachtet und respektiert wird.“ Mit seinem Beitrag habe Özdemir gezeigt, „wie wirksam und kraftvoll eine Parlamentsrede sein kann, wenn ein Redner mit Überzeugung und Leidenschaft antritt“.

Die Auszeichnung Rede des Jahres gibt es seit 1998. Sie ging unter anderem an Margot Käßmann, Marcel Reich-Ranicki oder Gregor Gysi.



(mja/dpa)