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SPD stärkt Steinbrück - Alternativen gibt es kaum

Berlin. Manuela Schwesig schweigt und greift erst mal zum Wasserglas. Die SPD-Vizevorsitzende trinkt einen Schluck, sagt dann: "Ich nehme die Frage noch mal mit und denke darüber nach." Ob sie in ihrer Partei eine Rebellion oder eine Depression fürchte, wenn es mit dem rot-grünen Wahlsieg in Niedersachsen am 20. Januar doch nicht klappen sollte, war sie gefragt worden Von dpa-Mitarbeiter Georg Ismar

Berlin. Manuela Schwesig schweigt und greift erst mal zum Wasserglas. Die SPD-Vizevorsitzende trinkt einen Schluck, sagt dann: "Ich nehme die Frage noch mal mit und denke darüber nach." Ob sie in ihrer Partei eine Rebellion oder eine Depression fürchte, wenn es mit dem rot-grünen Wahlsieg in Niedersachsen am 20. Januar doch nicht klappen sollte, war sie gefragt worden. Auch wenn es kaum jemand offen sagt: Die SPD fürchtet einen Peer-Steinbrück-Malus - bei den Bürgern schwindet sein Ansehen laut Umfragen dramatisch.



Der Kanzlerkandidat ist am Freitag auch beim Abschluss der Fraktionsklausur im Berliner Reichstag dabei - auf einer Anzeige im Hintergrund werden die Stunden bis zum möglichen Regierungswechsel heruntergezählt. Kann Steinbrück das noch schaffen? Nach Angaben von Teilnehmern beschönigt er nichts, mahnt aber zur Besonnenheit. Er will weitere Fehltritte vermeiden. Inhalte, Inhalte, Inhalte, heißt die Devise. "Er hat Nehmer- und Steherqualitäten", wird betont.

Die kann Steinbrück in diesen Tagen gebrauchen. Pünktlich zum 66. Geburtstag hatte er am Donnerstag miese Zahlen serviert bekommen. Laut ARD-"Deutschlandtrend" liegt er im direkten Vergleich inzwischen mit 30:55 Prozent Welten von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) entfernt. Am Freitag kam es im ZDF-"Politbarometer" noch schlimmer: Hier würde ihn nur jeder Vierte wählen. Merkel liegt mit 65 Prozent satte 40 Punkte vorn.

Die SPD hofft, dass bald wieder der Zustand der schwarz-gelben Koalition und die inhaltliche Arbeit die Schlagzeilen dominieren. Die SPD hat zumindest ein Rentenkonzept, während die von Union und FDP geplante Lebensleistungsrente, bei der Mini-Renten geringfügig mit Steuermitteln aufgestockt werden sollen, wieder auf der Kippe steht. Doch die SPD kommt gar nicht dazu, den Blick auf diesen neuen Koalitionsstreit zu lenken, weil sie sich immer wieder zu Steinbrück äußern muss.

Es regiert in der Fraktion eine Mischung aus Kampfgeist, Trotz, Galgenhumor und demonstrativer Gelassenheit. Umfragen sind zwar nur Momentaufnahmen. Aber ein Wert ist bedenklich: der der Glaubwürdigkeit. Nur 36 Prozent glauben laut ARD-Umfrage, dass Steinbrück sich mehr als Merkel für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Genau dieses Thema aber soll im Mittelpunkt des SPD-Bundestagswahlkampfs stehen. Doch Steinbrück als Nebenverdienst-Millionär nehmen dies viele nicht ab. Aber die SPD hat auch keine Alternative zu Steinbrück.



Wer außer ihm sollte die Kanzlerkandidatur denn übernehmen? Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, absoluter Liebling der Partei, hat sich fest der Landespolitik verschrieben. Und Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier wollte zuletzt schon nicht, so dass fast nur Parteichef Gabriel übrig bliebe. Die Partei denkt lieber in die andere Richtung: Rot-Grün in Hannover klappt und Steinbrück bekommt so den dringend notwendigen Aufwind. Für die SPD heißt es: Vorwärts mit Steinbrück - irgendwie.Foto: Pilick/dpa

Meinung

Herdentrieb

Von SZ-Korrespondent

Hagen Strauß

In der Haut von Peer Steinbrück möchte man angesichts der Umfragen nicht stecken. Vor wenigen Monaten galt er als Querdenker, inzwischen blättert der Lack ab. Dass sich der SPD-Kandidat in dieser misslichen Lage befindet, hat er zunächst selbst verschuldet. Gleichwohl sollte man für ihn auch mal eine Lanze brechen: Es gibt in Teilen der Medien die Tendenz, Verfehlungen zu unterstellen, wo keine sind. Die Sache mit dem Billig-Wein hatte das Niveau des Bobby-Car-Vorwurfs gegen Familie Wulff. Und die "Gefälligkeit" für Thyssen-Krupp beim Strompreis entsprach einer SPD-Position. Der mediale Herdentrieb produziert eben nicht nur echte Skandale. Dem Kandidaten hilft jetzt nur eins: Er muss konsequent ran an die Inhalte, um den Fokus wieder auf das Politische zu richten.