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"Sie haben zum ersten Mal eigene Vorschläge gemacht"

Herr Gabriel, Sie haben als erster deutscher Fachminister Präsident Obama getroffen. Wie war das Treffen?Gabriel: So wie er in den Medien wirkt, so ist er auch, ein Menschenfänger. Er hat sich hier viel Zeit für die 16 Umweltminister genommen und einzeln mit jedem gesprochen. Das war ein Signal dafür, wie wichtig der neuen Regierung das Thema Klimawandel ist

Herr Gabriel, Sie haben als erster deutscher Fachminister Präsident Obama getroffen. Wie war das Treffen?Gabriel: So wie er in den Medien wirkt, so ist er auch, ein Menschenfänger. Er hat sich hier viel Zeit für die 16 Umweltminister genommen und einzeln mit jedem gesprochen. Das war ein Signal dafür, wie wichtig der neuen Regierung das Thema Klimawandel ist.Hat sich Obama für die deutsche Klimapolitik interessiert?Gabriel: Er war darüber ausgesprochen gut informiert. Die Deutschen gelten als führend, vor allem bei der Schaffung von Arbeitsplätzen durch Klimaschutz und erneuerbare Energien. Und er hat den Vorschlag von Frank Steinmeier für ein transatlantisches Klimabündnis ausdrücklich begrüßt.Offenbar hat er Sie auch gefangen, denn hinterher haben Sie von einer echten Kehrtwende in der US-Klimapolitik gesprochen.Gabriel: Eine Kehrtwende von gar keiner Klimapolitik hin zu überhaupt einer Klimapolitik ist ja nicht so besonders schwer. Wir haben von der amerikanischen Regierung jetzt zwei Dinge gehört, die wir acht Jahre lang vermisst haben: Erstens, dass sie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel nun anerkennt und ihn als von Menschen gemacht und als weltweite Gefahr betrachtet. Zweitens die Willenserklärung, dass sie im Dezember in Kopenhagen einen internationalen Vertrag erreichen will, in dem auch die USA sich verpflichten, beim internationalen Klimaschutz mitzumachen. Beides war unter Bush absolut ausgeschlossen.Lassen sich die Amerikaner schon auf konkrete CO2-Reduktionsziele ein?Gabriel: Sie haben zum ersten Mal eigene Vorschläge gemacht. Aber die Vorschläge reichen bei weitem nicht aus. Eine Verringerung der Treibhausgase bis 2020 um 25 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 ist aus Sicht der Forschung unerlässlich, um den Klimawandel halbwegs im Griff zu behalten. Die EU hat sich für Kopenhagen auf Minus 30 Prozent verpflichtet, Deutschland auf minus 40 Prozent. Die US-Regierung hingegen will bis 2020 nur auf das Niveau von 1990 heruntergehen. Das zeigt, wie weit die Amerikaner von einer Führungsrolle in der internationalen Klimapolitik noch entfernt sind. Allerdings haben sie hier auch Vorschläge für die Zeit zwischen 2020 und 2030 gemacht, die interessanter sind. Vielleicht deuten sich hier mögliche Kompromisslinien an.Wie sehr ist Ihre Hoffnung für Kopenhagen seit Ihrem Besuch in Washington gewachsen?Gabriel: Wir haben jetzt jenes Land als Partner für einen internationalen Klimaschutz gewonnen, das bisher dafür das größte Hindernis war. Aber die USA sind nicht die Einzigen, die mit ins Boot müssen. Wir stellen fest, dass es konkrete Vorschläge für die Verringerung von Treibhausgasen aus Russland, Japan, China und Australien bis heute nicht gibt. Es müssen aber alle wichtigen Nationen mitmachen.