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Seehofer nimmt Regelung seiner Nachfolge in Angriff

Bamberg. CSU-Chef Horst Seehofer denkt an seinen Platz in der Geschichte – und daran, wie er seine Nachfolgekandidaten bis zum Abschied 2018 disziplinieren kann. In Bamberg auf einem kleinen Parteitag präsentierte er einen neuen Plan. Dpa-Mitarbeitercarsten Hoefer

CSU-Chef Horst Seehofer lobt sich seit jeher gerne selbst für Weitsicht, Klarheit und Mut. Auf dem kleinen CSU-Parteitag in Bamberg stellt er den 400 Zuhörern am Samstag eine Idee vor, die zeigt, wie weit er in die Zukunft denkt. Im Herbst will er eine "Mannschaft des Vertrauens und der Kompetenz" für 2017/18 präsentieren - zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl. Dem Team sollen offenbar die denkbaren Kronprinzen und Kronprinzessinnen und weitere CSU-Spitzenpolitiker angehören.

Zwei Jahre vor der Wahl hat bisher noch keine Partei eine Spitzenmannschaft präsentiert. Es darf vermutet worden, dass Seehofers Kompetenzteam keineswegs nur der Vorbereitung künftiger Wahlen dient, sondern der Disziplinierung ehrgeiziger Erben. Seehofer bindet die Nachfolgekandidaten in das Korsett eines Teams ein, dessen Mitglieder sich bis zur von Seehofer geplanten Machtübergabe im Jahr 2018 ein dreijähriges Schaulaufen liefern können. "Insgesamt wird es darauf ankommen, erstklassige Arbeit und strikte Disziplin an den Tag zu legen", mahnt Seehofer die Parteifreunde. Denn an Disziplin und Koordination hapert es derzeit in der CSU , wie seit Monaten immer wieder deutlich wird.

Erst am Dienstag ärgerte sich Seehofer in der Kabinettssitzung über den künftigen Pressesprecher des Finanzministers und derzeitigen Oberkronprinzen Markus Söder . Von dem Journalisten Michael Backhaus ist bereits überliefert, er wolle 2016 in die Staatskanzlei einziehen. Seehofer argwöhnt möglicherweise, dass der ehrgeizige Söder ihn schon 2016, also weit vor seinem geplanten Abschied mit der Landtagswahl 2018 beerben will.

"Märchen" nennt Seehofer die Berichte über interne Spannungen. Doch zwei der vier stellvertretenden Vorsitzenden erscheinen in Bamberg erst gar nicht: Peter Gauweiler und Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer . Beide hatten sich Seehofers Ärger zugezogen, weil sie im Bundestag gegen dessen ausdrückliche Aufforderung die Verlängerung der Griechenland-Hilfe ablehnten.



Doch ungeachtet verschiedener Querelen demonstriert Seehofer am Ende des Parteitags große Zuversicht: "So wie wir aufgestellt sind, können wir (die Wahlen) gar nicht verlieren, wenn wir bescheiden bleiben."