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Rassisten in Uniform

Washington. Bei der Polizei in der US-Stadt Ferguson, vor Monaten Schauplatz schwerer Ausschreitungen, sind rassistische Vorurteile und exzessive Gewalt gegen Schwarze weit verbreitet. Das zeigt eine Untersuchung. af/dpap

Sieben Monate nach der Erschießung des schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen weißen Polizisten in Ferguson wirft das US-Justizministerium der dortigen Polizei in einem Untersuchungsbericht Rassismus und routinemäßige Schikanierung der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung vor. Die mehrheitlich weiße Polizei , aber auch die Justiz, hätten regelmäßig Bürgerrechte verletzt und damit gegen die Verfassung verstoßen, zitierten verschiedene Medien vorab aus dem Bericht.

Derweil gaben gestern die US-Bundesbehörden bekannt, dass auch sie den Todesschützen Darren Wilson nicht anklagen werden. Es gebe keine Beweise, die gegen die Aussage des weißen Beamten sprächen, teilte das Justizministerium in Washington mit. Wilson hatte erklärt, sich zum Zeitpunkt der Tat von Brown bedroht gefühlt zu haben. Der weiße Polizist hatte Anfang August 2014 den 18-Jährigen in Ferguson, einer Vorstadt von St. Louis im Bundesstaat Missouri, durch mehrere Kugeln getötet. Eine sogenannte Grand Jury aus überwiegend weißen Laienrichtern kam aber im November zu dem Schluss, dass sich der Polizist nichts zuschulden kommen ließ. Das Urteil führte in Ferguson und zahlreichen anderen Städten zu teils gewaltsamen Protesten. Nun steht fest: Die tödlichen Schüsse auf den unbewaffneten Schwarzen werden für den Beamten keine juristischen Folgen haben.

Der Fernsehsender CNN und die "Washington Post" berichteten jetzt unter Berufung auf den Untersuchungsbericht des Ministeriums, Schwarze seien in Ferguson überdurchschnittlich oft das Ziel polizeilicher Maßnahmen gewesen. Ihr Anteil an allen Festnahmen zwischen 2012 und 2014 lag demnach bei 93 Prozent, obwohl sie nur zwei Drittel der Bevölkerung ausmachten. 85 Prozent der von der Polizei angehaltenen Autos wurden von Schwarzen gefahren, 90 Prozent der vor Gericht zitierten Personen waren Schwarze, und Gewalt wurde in 88 Prozent der Fälle gegen Schwarze angewandt.

Rassistische Voreingenommenheit begegnete den Kontrolleuren aus Washington demnach auch in E-Mails von Polizeibeamten und Mitgliedern des Amtsgerichts in Ferguson. In einer dieser Mails vom November 2008 hieß es, US-Präsident Barack Obama werde kaum lang im Amt bleiben, denn "welcher schwarze Mann hält schon vier Jahre in seinem Job durch".



Meinung:

Ferguson ist kein Einzelfall

Von SZ-KorrespondentFrank Herrmann

Ein Drittel der Bewohner Fergusons hat helle Haut. Doch die Kriminalstatistik liest sich so, als würden dort fast nur Schwarze leben. Denn fast alle erfassten Straftaten gehen auf das Konto von Afroamerikanern. Dass mit der Statistik etwas nicht stimmen kann, war jedem, der sich in der Stadt umhörte, lange klar. Nun hat das Justizressort in Washington nachgewiesen, was man immer schon wusste. Polizei und Justiz messen mit zweierlei Maß, sie handeln routinemäßig nach einem Denken in Rassenschubladen. Nur: Ferguson ist kein Einzelfall.