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Papst wirbt für Versöhnung

Jerusalem. Papst Benedikt XVI. möchte auf seiner Nahostreise ebenso wie sein Vorgänger Johannes Paul II. für Versöhnung mit den Juden werben. Doch die Umstände der Reise und die im Dialog angewandte Methode unterscheiden sich grundlegend. Anders als im Jahr 2000 befindet sich der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern in einer Phase der Lähmung. Johannes Paul II Von epd-Mitarbeiterin Bettina Gabbe

Jerusalem. Papst Benedikt XVI. möchte auf seiner Nahostreise ebenso wie sein Vorgänger Johannes Paul II. für Versöhnung mit den Juden werben. Doch die Umstände der Reise und die im Dialog angewandte Methode unterscheiden sich grundlegend. Anders als im Jahr 2000 befindet sich der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern in einer Phase der Lähmung. Johannes Paul II. war ein charismatischer Kirchenführer, der, selbst schon gebrechlich, an der Klagemauer Brücken zwischen beiden Glaubensgemeinschaften zu bauen versuchte. Benedikt setzt dagegen auf nicht immer diplomatische Worte.



Neun Jahre nach seinem polnischen Vorgänger pilgerte der deutsche Papst zur Jerusalemer Klagemauer, sprach auf Lateinisch einen Psalm und steckte wie sein Vorgänger einen Zettel mit einem Gebet um Frieden in eine Ritze der Überreste des antiken Tempels. Jerusalem sei die "Stadt des Friedens, geistige Heimat für Juden, Christen und Muslime zugleich", hatte er auf den Zettel geschrieben, den er dem wichtigsten jüdischen Heiligtum anvertraute. Darin erwähnte er die "Freuden, Hoffnungen und Erwartungen, die Prüfungen, das Leiden und den Schmerz" der Menschen weltweit. Er bat zugleich darum, den "Schrei der Leidenden, der Furchtsamen, und der Beraubten zu erhören". Johannes Paul hatte an der Klagemauer um Vergebung für das Leid gebeten, das Christen über die Jahrhunderte Juden zugefügt haben. Beim anschließenden Besuch im Großrabbinat wurde Benedikt trotz der Enttäuschung über seine Rede in Jad Vaschem vom Vortag herzlich empfangen. Während Israelis in den Zeitungen zurückhaltende bis enttäuschte Kommentare über die fehlende Erwähnung deutscher Schuld und mangelnde Zeichen von Reue an der Holocaust-Gedenkstätte lasen, gaben sich die Oberrabbiner ihrem deutschen Gast gegenüber betont versöhnlich, indem sie ihn auf Deutsch willkommen hießen. Am Vorabend war es bei einem interreligiösen Treffen mit Juden und Muslimen noch zum Eklat gekommen, als derselbe Scheich, der bereits die Visite Johannes Pauls durch Hasstiraden gegen Israel belastet hatte, seinen Auftritt von damals wiederholte. Umso eindringlicher warb Benedikt XVI. im Großrabbinat für verstärkten Einsatz im christlich-jüdischen Dialog. Eine bessere Kenntnis der Lehren des anderen trage zu mehr gegenseitiger Achtung bei, mahnte Benedikt. Gemeinsam könnten Juden und Christen wirksamer "moralischen Relativismus" bekämpfen, wenn sie der Gesellschaft von religiöse Werte vermitteln.

"Jerusalem ist die Stadt des Friedens, geistige Heimat für Juden, Christen und Muslime zugleich."

Botschaft des Zettels für die Klagemauer