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Neue Tiefschläge aus Athen

Athen. Im Griechenland-Konflikt gibt es weiter keine Atempause. Der rechtspopulistische Verteidigungsminister Panos Kammenos hetzt munter gegen Deutschland. Und schon wieder geht das Geld zur Neige. Agentur

Leere Kassen und ein wüster Rundumschlag gegen Berlin: Das griechische Drama steuert auf einen neuen Höhepunkt zu. Während die Regierung in Athen fürchtet, dass ihr das Geld ausgeht, torpediert der rechtspopulistische Verteidigungsminister Panos Kammenos mit Vorwürfen gegen Deutschland die Suche nach Kompromissen.

Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras setzt darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Rahmen für kurzfristige Staatsanleihen um zwei bis drei Milliarden Euro erhöht, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). Berichte, dass das Land schon im Kürze zahlungsunfähig sei, dementierte er: "Es gibt absolut kein Liquiditätsproblem", sagte er gestern Abend dem Fernsehsender Alpha. Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz , der Tsipras am Freitag in Brüssel getroffen hatte, bestätigte dagegen: "Tsipras braucht dringend Geld . Dafür muss er die Eurogruppe und die EZB von seinem Reformwillen überzeugen."

Der SPD-Politiker Schulz legte Tsipras nahe, Kammenos, Chef der rechtspopulistischen Partei der Unabhängigen Griechen (Anel), aus der Koalition zu werfen. Kammenos hatte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU ) in der "Bild"-Zeitung die Schuld am Zerwürfnis zwischen Athen und Berlin gegeben: "Das ist wie ein psychologischer Krieg, und Schäuble vergiftet damit die Beziehungen zwischen beiden Ländern." Schäuble hatte zuletzt nicht ausgeschlossen, dass Athen ungewollt aus dem Euro herausfliegen könnte.

Kammenos hielt Schäuble auch dessen Verwicklung in die frühere CDU-Parteispendenaffäre vor und drohte erneut, Mittelmeer-Flüchtlinge nach Westen zu schicken, falls sein Land aus dem Euro gedrängt werde: "Dann gelten keine Absprachen mehr, keine Abkommen, nichts." Explodiere Griechenland, seien als nächstes Spanien und Italien dran. Schäuble wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Schulz und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker drängen Tsipras, nun einen Brief an die Eurogruppe zu schreiben, in dem Athen sich zu Privatisierungen, zum Eintreiben von Steuern und zum Aufbau eines Katasterwesens bekennt. Tsipras habe dies in allgemeiner Form zugesagt, berichtete die "FAS".

Der griechische Premier beriet sich über das Wochenende in Athen mit Vertrauten - aber ohne seinen Finanzminister Gianis Varoufakis. Der war auf einer Konferenz in Italien. Gerüchte, Varoufakis drohe alsbald eine Entmachtung, wurden in Athen dementiert.

Der Minister entschuldigte sich aber dafür, mitten in der Finanzkrise für ein französisches Magazin im Dolce-Vita-Stil posiert zu haben: "Ich frage mich: Gefällt mir diese Ästhetik? Nein. Und ich bereue es."

Zuvor hatte Varoufakis erstmals eine Verschiebung von Syriza-Wahlversprechen angedeutet, um die Geldgeber gnädiger zu stimmen. Athen muss bis Ende April eine Reform- und Sparliste vorlegen, um grünes Licht für ausstehende Kredithilfen zu bekommen. Seine Website www.chatzi.de gehört ihm nicht mehr, seinen Posten als Generalsekretär der Saar-FDP hat er aufgegeben, auch EU-Parlamentarier ist der 48-Jährige seit 2014 nicht mehr. Doch Jorgo Chatzimarkakis fand eine neue Herausforderung. Als "Sonderbotschafter" Athens kämpft er seit einem Jahr in Interviews und Fernsehauftritten unermüdlich für seine von der Schuldenkrise schwer angeschlagene Heimat Griechenland. Doch in wenigen Wochen ist für den Sohn eines vor Jahrzehnten aus Griechenland eingewanderten Stahlarbeiters auch damit Schluss. Denn Anfang Mai gibt er die Rolle des Mediators wieder ab.

Gut ein Jahr lang hat sich der dreifache Vater von seinem Brüsseler Büro aus für die Belange Griechenlands eingesetzt, das er vor dem Staatsbankrott und einer Rückkehr zur Drachme bewahren will. Dabei spart er nicht mit harscher Kritik an der Griechenland-Politik der deutschen Regierung.

Dass er die Rolle als "Sonderbotschafter" jetzt wieder abgibt, habe private Gründe: "Für mich war das keine politische Entscheidung, sondern eine finanzielle", rechtfertigt Chatzimarkakis sich am Sonntag im "Tagesspiegel". 1000 Euro hat er von den Griechen jeden Monat erhalten. "Als Vater von drei Kindern kann man von einem halben Ehrenamt nicht leben."