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Milliarden einfach so

Berlin/Saarbrücken. Die Frage ist vermutlich so alt wie die Entwicklungshilfe selbst: Wir wirksam sind eigentlich die milliardenschweren Ausgaben für arme Länder? Zwei Mal schon hat die OECD Deutschland ins Stammbuch geschrieben, dass die Entwicklungshilfe hierzulande zu zersplittert ist und nicht effizient genug eingesetzt wird Von SZ-Korrespondent Hagen Strauß

Berlin/Saarbrücken. Die Frage ist vermutlich so alt wie die Entwicklungshilfe selbst: Wir wirksam sind eigentlich die milliardenschweren Ausgaben für arme Länder? Zwei Mal schon hat die OECD Deutschland ins Stammbuch geschrieben, dass die Entwicklungshilfe hierzulande zu zersplittert ist und nicht effizient genug eingesetzt wird. Immerhin gibt die Bundesregierung knapp neun Milliarden Euro jährlich, die Tendenz war bis zur Wirtschaftskrise steigend. Experten der Universität des Saarlandes und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) kommen nun zu einem ähnlich unguten Ergebnis: Die Verwendung der Gelder sowie Sinn und Zweck der Ausgaben wird viel zu wenig überprüft - dies sei die "Achillesferse" der Entwicklungszusammenarbeit, hieß es gestern in Berlin.1000 Seiten lang ist die Studie, die untersucht, wie sieben staatliche Stellen, sechs politische Stiftungen, vier kirchliche und zwei private Organisationen die Evaluation ihrer Leistungen organisieren und aufeinander abstimmen. Dazu gehören neben dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter anderem die halbstaatliche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, der Deutsche Entwicklungsdienst, die Deutsche Welthungerhilfe sowie die kirchlichen Organisationen Misereor und Evangelischer Entwicklungsdienst. Immerhin setzen sie 80 Prozent des deutschen Entwicklungsbudgets ein. Pikant: Das Ministerium von Heidemarie-Wieczorek-Zeul (SPD) gab selbst den Auftrag zu dieser Analyse. Zufrieden kann die Ministerin mit dem Urteil der Experten nicht sein. Denn es gab schlechte Noten für die Evaluation: Offenbar ist das Bewusstsein für die Prüfung da, nur fehlt es bei den Organisationen an personeller und finanzieller Ausstattung. Und: "Jeder macht im Grunde, was er will", so Reinhard Stockmann, Ko-Autor der Studie und Leiter des Instituts für Evaluation an der Uni Saarbrücken. "Die Methoden zu harmonisieren könnte bedeuten, jede Menge Geld zu sparen." Schließlich frage die Öffentlichkeit angesichts der Finanzkrise verstärkt nach Sinn und Unsinn von Entwicklungszusammenarbeit, ergänzte Axel Bormann vom HWWI. Und wer besser prüfe, erhöhe nicht nur die Akzeptanz, sondern auch die Effizienz der Mittel und damit die Qualität von Projekten. Die Verfasser sprachen sich deshalb für die Gründung einer unabhängigen Evaluationsagentur.