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Kommentar zu Sigmar Gabriel
Völlig unglaubwürdig

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Einen schlechteren Zeitpunkt hätte Sigmar Gabriel für seine Generalabrechnung kaum wählen können. Gerade hat er sich aus der allerersten Reihe der Bundespolitik verabschiedet, schon schwadroniert der Ex-SPD-Chef im „Tagesspiegel“ darüber, was der Staat alles besser machen müsste. Als ob er nie Vorsitzender einer Regierungspartei gewesen wäre – oder Bundesminister. Von Gerrit Dauelsberg

Inhaltlich hat Gabriel in fast allen Punkten Recht. Doch das macht es fast noch schlimmer, weil ihm all das auch früher hätte auffallen können. Warum hat er in all den Jahren in verantwortlicher Position nichts getan gegen die immer stärkere Diskrepanz zwischen armen und reichen Gegenden? Wieso haben er und seine Partei zugelassen, dass es vielerorts zu wenig Lehrer, Polizisten und Hausärzte gibt? Und war es nicht gerade seine SPD, die den von ihm kritisierten „neoliberalen Zeitgeist“ erst etabliert hat?


Nun spricht er von „Staatsversagen“. Doch wie glaubwürdig ist ein solcher Vorwurf, wenn man jahrelang selbst ein hoher Repräsentant dieses Staates war? Es wirkt, als ob aus Gabriel vor allem die Verbitterung über seine Ausbootung als Außenminister spricht.