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Kommentar
May verpasst die Gelegenheit

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Theresa May hätte viel erreichen können. Sie wusste, dass die EU vorschlagen würde, Großbritannien dauerhaft in einer Zollunion zu belassen und damit das Problem der irisch-nordirischen Grenze, den Backstop und alle Sorgen am Stichtag auf einen Schlag zu beseitigen. Von Detlef Drewes

May hätte dies tun können, aufbauend auf einer nationalen Allianz derjenigen, die verstanden haben, was passiert, wenn es keinen Austrittsdeal für den Brexit gibt. Doch tatsächlich zwang die britische Premierministerin die EU, an ihrer Blockade festzuhalten. Denn genau das geschah, weil May längst abgelegte Forderungen wieder hervorholte, von denen sie wusste, dass Brüssel nicht auf sie eingehen kann – selbst wenn es ganz viel guten Willen geben würde. Und so blieb die karge Ausbeute dieses ersten Gespräches das Versprechen, dass man weiter miteinander redet. Theresa May tut so, als habe sie noch unendlich viel Zeit. Dabei orientieren sich jeden Tag mehr Unternehmen Richtung Kontinent. Außerdem verliert sie ihre ohnehin kaum noch vorhandene Reputation als eine Regierungschefin, die in der Lage ist, für ihr Land das Beste zu tun. Und das besteht ganz sicherlich nicht in einem Austritt ohne geordnete Verhältnisse.