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Kommentar
Keinen Millimeter weitergekommen

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Ohne europäische und bilaterale Vereinbarungen keine Lösung der Flüchtlingsfrage. Das ist das Credo von Angela Merkel. Und die meisten Menschen werden ihr da auch sicher zustimmen. Dass der Anspruch schwerlich und im konkreten Fall überhaupt nicht mit der Wirklichkeit korrespondiert, bekam die Kanzlerin jetzt allerdings auf drastische Weise zu spüren. Von Stefan Vetter

Ungarns Regierungschef Viktor Orban ist der allerletzte, der mit Flüchtlingen irgendetwas am Hut hat. In normalen Zeiten hätte sich Merkel ein Gespräch mit ihm wohl verkniffen. Doch die Zeiten sind nicht normal. Deshalb blieb der Kanzlerin nichts anderes übrig, auch wenn man in der Sache erwartungsgemäß keinen Millimeter vorangekommen ist. Während die Kanzlerin danach etwas verklausuliert von verschiedenen Sichtweisen sprach, machte Orban unverblümt klar, dass beide Welten trennen. Das ist eine traurige, aber treffende Zustandsbeschreibung. Nun sind zu diesem Thema noch weitere bilaterale Treffen geplant. Merkel hat einen Vorgeschmack bekommen, wie schwierig das alles wird. Zu befürchten ist, dass sich wichtige EU-Staaten kaum anders verhalten werden.