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Kommentar zu Juncker
Eine Rede ist nicht genug

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Jean-Claude Juncker hat Spuren in Europa hinterlassen. Der Kommissionspräsident, dessen Amtszeit Mitte 2019 ausläuft, konnte also kaum verhindern, dass an seine letzte große Rede „Zur Lage der EU“ besondere Maßstäbe angelegt werden. Von Detlef Drewes

Weil die Bürger Antworten fordern, warum diese Union nicht stärker auftritt, so wenig zur Lösung von Konflikte nach innen und außen beitragen kann und irgendwie auf der Stelle tritt. Juncker reagierte mit Appellen und Hinweisen – auf Geleistetes, auf Zugesagtes, auf Unerfülltes. Einiges davon ist zu loben. Und dennoch blieb Juncker politisch kraftlos. Der fast schon inständige Appell für mehr Geschlossenheit erschien schwach, fast so, als wisse er selbst nicht mehr, warum dieses große und historisch einzigartige Projekt immer mehr verdunstet.


Vielleicht wäre eine Ruck-Rede statt einer nüchternen Aufzählung angebracht gewesen. Juncker ist mit dieser Rede angetreten, die noch anstehenden Aufgaben zu erledigen. Mehr nicht. Für Europa wird das nicht reichen.