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Kommentar: Merkels US-Besuch
Eine heikle Mission für die Kanzlerin

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Die Erwartungen an den Besuch der Kanzlerin bei US-Präsident Trump an diesem Freitag können realistischerweise nicht sonderlich hoch sein. Dafür spricht der Umstand, dass die Bundesregierung gestern in der Zollfrage vorerst kapituliert hat. Nun kann dahinter auch die Strategie stecken, aus der schlechten Nachricht doch noch eine gute zu machen. Soll heißen, damit Merkel am Ende ihrer heiklen Mission wenigstens einen Erfolg verkünden kann. Nämlich den, Trump mit Zugeständnissen vom Pfad des Handelskriegs wieder etwas abgebracht zu haben. Aber das wäre ein verwegenes Kalkül. Nein, dieses Problem wird Merkel wohl langfristig genauso wenig aus der Welt schaffen können wie die anderen Schwierigkeiten in den transatlantischen Beziehungen. Von Hagen Strauss

Nüchtern betrachtet ist freilich auch das Gastspiel des französischen Präsidenten Macron in Washington nicht gerade eine Erfolgsgeschichte gewesen. Merkel kommt jetzt zum Meinungsaustausch; ein Arbeitsbesuch, wie man in Berlin bewusst betont. Die Kanzlerin weiß doch nur zu gut, dass im Weißen Haus ein Präsident regiert, der sprunghaft ist wie kein anderer vor ihm. Merkels Aufgabe besteht deshalb heute lediglich darin, ihre Argumente bei Trump zu platzieren – und dann auf eine mögliche Wirkung zu hoffen. Mehr ist bei diesem US-Präsidenten tatsächlich wohl nicht drin.