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Kommentar zu Donald Trump
Als wäre er der Sonnenkönig

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Wenn Donald Trumps Wutanfall eines deutlich gemacht hat, dann das Verständnis seiner eigenen Rolle. „Der Staat, das bin ich“, so könnte man es auf einen kurzen Nenner bringen. Wer ihn attackiere, der attackiere Amerika: Es sind Worte, die in ihrer Schwere an den 11. September 2001 erinnern, als in New York die Zwillingstürme einstürzten. Im Terrorschock mag eine solche Rhetorik ihre Berechtigung gehabt haben, im Falle Trumps ist sie völlig fehl am Platz. Von Frank Herrmann

Es ist absurd, aus Durchsuchungen bei dem langjährigen Anwalt Trumps einen Angriff auf das Fundament des Staatswesens zu machen. Wenn der US-Präsident es dennoch tut, offenbart er wieder einmal seine autokratischen, monarchistisch anmutenden Neigungen. Als säße er auf dem Thron des Sonnenkönigs, in dessen Umfeld Untersuchungen schon deshalb tabu sind, weil dergleichen Majestätsbeleidigung wäre. Dass in der amerikanischen Demokratie vor dem Gesetz alle gleich sind, mag in dieser Logik für andere gelten. Nicht für Donald Trump.