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Mehr Franzosen geben Stimme ab

Paris. In puncto Wahlbeteiligung haben die Départementswahlen in Frankreich eine erste Überraschung gebracht. Die Politiker bewegt nun die Frage, ob der rechtsextreme Front National davon profitiert oder nicht. afp

Bei den landesweiten Départementswahlen sind gestern in Frankreich mehr Bürger zur Wahl gegangen als erwartet. Die Wahlbeteiligung lag um 17 Uhr bei rund 43 Prozent und damit deutlich über den 36,38 Prozent im Jahr 2011. Unklar war, ob dies eher der rechtsextremen Front National (FN) nützt, die laut Umfragen mit bis zu 30 Prozent zur stärksten Kraft werden könnte. Neben der Wahlbeteiligung sei die zentrale Frage "das Ergebnis der Front National ", räumte Präsident François Hollande im zentralfranzösischen Tulle ein, wo er seine Stimme abgab.

Seinen regierenden Sozialisten sagten alle Umfragen eine deutliche Schlappe voraus: Mit um die 20 Prozent könnten sie am Ende mehr als die Hälfte ihrer derzeit 61 Départements verlieren. Nach jüngsten Umfragen dürfte die rechtsextreme FN in dieser ersten Runde der Départementswahlen mit rund 30 Prozent entweder vorne oder knapp hinter dem konservativ-bürgerlichen Lager liegen. FN-Chefin Marine Le Pen zeigte sich gestern "zuversichtlich". Sie hatte im Wahlkampf bereits deutlich gemacht, dass ihr Ziel letztlich "die Erstürmung des Elysée-Palastes" sei. In Umfragen werden ihr gute Chancen eingeräumt, bei der Präsidentschaftswahl 2017 in die Stichwahl zu kommen. Die FN mit ihren europa- und einwanderungsfeindlichen Thesen war bereits bei den Europawahlen im vergangenen Jahr mit rund 25 Prozent zur stärksten Kraft Frankreichs geworden.

Siegeszug der Konservativen?




W egen des Wahlrechts haben die Rechtsextremen nach der zweiten Runde der Départementswahlen am kommenden Sonntag aber kaum Chancen, die Mehrheit in einem der 101 Départements zu erringen. Höchstens ein bis zwei Départements könnten von der FN erobert werden, was für diese aber schon ein großer Erfolg wäre. Die besten Chancen wurden der Partei im südfranzösischen Vaucluse sowie im Département Aisne im Norden eingeräumt. Dafür rechnet das konservativ-bürgerliche Lager in der Stichwahl am 29. März mit einem landesweiten Siegeszug. Für die konservative Partei UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy werden zusammen mit dem Zentrum UDI in den Umfragen für den ersten Wahlgang ebenfalls bis zu 30 Prozent erwarte t.

Die Wahl der Départements-räte - in etwa vergleichbar mit den Kreisräten in Deutschland - war von allen politischen Lagern im Wahlkampf zu einer Art nationalem Stimmungstest gemacht worden. Für die Sozialisten hatte vor allem Premierminister Manuel Valls mit Attacken gegen die FN versucht, die wegen ausbleibender Erfolge in der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik enttäuschten linken Wähler zu mobilisieren.

Die Wahlbeteiligung dürfte nun über den gesamten Tag zwei aktuellen Umfragen zufolge bei über 50 Prozent liegen. Bei den vorangegangenen Wahlen 2011 waren lediglich rund 44,3 Prozent der Franzosen zur Wahl gegangen.