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IS-Heimkehrer beschäftigen Justiz

Karlsruhe. Mutmaßliche IS-Rückkehrer halten die Bundesanwaltschaft mehr und mehr auf Trab. Die Zahl der Verfahren steigt kontinuierlich. Derweil sucht die Polizei nach zwei Mädchen aus Ostdeutschland, die sich vermutlich der IS anschließen wollen. Agentur

Die Zahl der Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Islamisten und Rückkehrer aus dem Syrien- oder Irakkrieg ist in den letzten Monaten deutlich gestiegen. So führt die Bundesanwaltschaft derzeit 68 Ermittlungs- und Strafverfahren gegen insgesamt 106 Beschuldigte, wie Generalbundesanwalt Harald Range in Karlsruhe mitteilte. Anfang 2014 waren es demnach noch fünf Verfahren mit acht Beschuldigten.

"Der Scheitelpunkt dieser Entwicklung ist noch nicht erreicht", sagte Range. Er gehe davon aus, dass die Verfahrenszahlen weiter stiegen.

Die Bundesanwaltschaft erhob außerdem Anklage gegen einen 22-jährigen Deutschen, der sich in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben soll. Nezet S. sei im Juli 2014 über die Türkei nach Syrien gereist, wo er eine Waffenausbildung erhalten und sich am Kampf beteiligt habe, teilte die Behörde am Dienstag mit. Im August 2014 sei der aus Mülheim an der Ruhr stammende Mann nach Deutschland zurückgekehrt.

Range sagte, Zahl und Bandbreite der anhängigen Verfahren zeige, welche Dynamik und enorme Auswirkungen der Konflikt in Syrien und dem Irak auch auf Deutschland habe. Um die Bevölkerung vor Anschlägen zu schützen, stünden die Heimkehrer in einem besonderen Fokus. Gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden würden "große Anstrengungen" unternommen, um "diesen Personenkreis in Haft nehmen, anklagen und verurteilen zu können".

Unterdessen suchen deutsche Sicherheitsbehörden nach zwei Jugendlichen aus Ostdeutschland , die sich vermutlich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien anschließen wollen. Auf diese Absicht deuteten die bisherigen Ermittlungen hin, teilte das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt am Dienstag in Magdeburg mit.

Die 15-Jährige stammt aus Sangerhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz). Ihre 18 Jahre alte Begleiterin kommt aus Erfurt, wie das LKA Thüringen bekannt gab. Nach Angaben beider Behörden sind die zwei Anfang März in die Türkei geflogen und wurden seitdem als vermisst gemeldet. Es sei unklar, ob sie sich schon im IS-Gebiet aufhalten. Ziel sei es, sie nach Deutschland zurückzuholen.



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HintergrundBei einem Giftgasangriff der syrischen Luftwaffe sollen laut Menschenrechtlern und Aktivisten im Nordwesten des Landes sechs Menschen getötet worden sein. Unter ihnen sei ein Ehepaar mit seinen drei kleinen Kindern, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gestern. Dutzende Menschen seien außerdem verletzt worden. dpa