| 20:18 Uhr

Walter Krämer
„Bleiben Sie an Ostern lieber zu Hause!“

Dortmund. Ein Statistiker erklärt, warum die Gefahr, durch Terror zu sterben, nicht unsere größte Sorge sein sollte.

Glaubt man dem Umfrageergebnis, haben fast drei Viertel der Deutschen Angst vor Terrorismus. Doch ist diese Sorge wirklich berechtigt? Professor Walter Krämer, Statistikexperte an der Universität Dortmund, weiß darauf eine Antwort.



Professor Krämer, wie wahrscheinlich ist es, durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen?

KRÄMER Betrachtet man allein das Risiko, durch einen Terroranschlag zu sterben, dann rate ich: Bleiben Sie an Ostern lieber zu Hause! Weil dann so viele Leute unterwegs sind, ist es wahrscheinlicher, durch einen Autounfall an Ostern ums Leben zu kommen als durch einen Terroranschlag.

Sind die Ängste also völlig unbegründet?

KRÄMER Die meisten Ängste sind nicht gerechtfertigt. Ein wichtiger Faktor ist jedoch, wie der Terror unser Leben beeinflusst. Ich habe in einer so wunderschönen Stadt wie Wien erlebt, dass zur Terror-Abwehr eine Mauer ums Bundeskanzleramt gebaut wird. Die Stadt wird aus Angst vor Terror verschandelt. Das ist durchaus ein Grund zur Sorge.



Im Saarland ist die Angst vor Schadstoffen in Lebensmitteln um elf Prozentpunkte gestiegen. Ist es wahrscheinlicher, an einem belasteten Ei zu sterben als durch einen Terror­anschlag?

KRÄMER Dann müssten sie am Tag 300 durch Fipronil belastete Eier essen. Es ist eine von Medien gemachte Pseudogefahr. Der Fipronil-Skandal war höchstens als Kuriosität eine Meldung wert. Der reine Fund als solcher nicht.

Regen Sie sich öfter über „von Medien geschürte Ängste“ auf?

KRÄMER Ja. Kürzlich war in der Tagesschau von 20 000 Fukushima-Toten die Rede. Das ist völliger Schwachsinn. Es sind vielleicht Menschen durch den Tsunami gestorben, aber nicht durch den Atom­unfall.

Und die Krebstoten?

KRÄMER Das Land mit den meisten Krebstoten – jeder Dritte – hat gar kein Atomkraftwerk und heißt Island.

Gibt es denn irgendetwas, wovor selbst Sie Angst haben?

KRÄMER Ja, ich habe Angst davor, dass meine Ersparnisse wertlos und wir zum Spielball von Ländern werden, die ihre Schulden niemals zurückzahlen werden.

Das Interview führte Fatima Abbas.