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Twitter-Analyse
Der Kampf um den CDU-Vorsitz im Netz

Der Wettbewerb um den Bundesvorsitz der CDU bewegt auch die sozialen Netzwerke. Vor allem über Twitter läuft eine heftige Diskussion in der historisch wohl einmaligen Situation, dass eine Kampfabstimmung über den künftigen Vorsitz entscheidet. Von Martin Kessler und Hannah Monderkamp

In den vergangenen sieben Tagen erwähnten Zehntausende von Twitter-Nutzern einen der drei aussichtsreichsten Kandidaten. Mit mehr als 26.000 Meldungen liegt Friedrich Merz, der Mann aus der Wirtschaft, klar in Front. Ihm folgt der junge Jens Spahn (38), derzeit Bundesgesundheitsminister, mit knapp 18.000 Nennungen. Annegret Kramp-Karrenbauer, die bisherige Generalsekretärin der Partei und frühere Ministerpräsidentin des Saarlands landet mit weniger als 15.000 Treffern auf dem dritten Platz. Das sind Zahlen, die das Listening-Zentrum der Rheinischen Post im Netz ermittelte. Dabei wird ein automatisches Texterkennungssystem eingesetzt, das Erwähnungen und auch positive, neutrale und negative Tendenzen bei diesen Treffern zählt. Da es sich um große Zahlen handelt, ist davon auszugehen, dass die Namensnennungen auch wirkliche Botschaften enthalten.


Wenig verwunderlich ist, dass das Interesse an allen drei Kandidaten kurz vor dem Parteitag deutlich zunimmt. Auch hier ist der Zuwachs an Treffern bei Merz besonders hoch. Mehr als 6000 Nennungen erfuhr der Kandidat am vergangenen Mittwoch, davon mehr als 28 Prozent mit Zustimmung. Die negativen Meldungen halten sich mit knapp sechs Prozent in engen Grenzen. Der große Erfolg im Netz ist für Merz umso erstaunlicher, als er zu Beginn seiner Kampagne noch nicht einmal ein eigenes Twitter-Konto hatte. Auch bei den anderen Kandidaten sind die Positiv-Erwähnungen mit 27 Prozent (Spahn) und 24 Prozent (Kramp-Karrenbauer) deutlich höher als Tweets mit einer negativen Aussage (knapp fünf Prozent bei Kramp-Karrenbauer und fast sechs Prozent bei Spahn).

Die Saarländerin hat schon während der vergangenen Woche - die Daten wurde ab 29. November erhoben - Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das lag an ihrer Dauerpräsenz bei den in den Medien stark beachteten Regionalkonferenzen, aber auch in den politischen Talkshow-Sendungen. Der junge Minister Spahn hatte Anfang Dezember bei den Nennungen einen regelrechten Einbruch auf unter 2000 Treffer pro Tag. Offenbar rechneten einige damit, dass er als Drittplatzierter in den Umfragen vorzeitig aufgeben könnte. Das scheint nun Vergangenheit zu sein. Spahn hat bei den täglichen Nennungen Kramp-Karrenbauer überholt und liegt jetzt bei fast 4000 Nennungen zuletzt.



Auch konkrete Politikbereiche werden bei den Treffern mit den Kandidaten verbunden. Mit Friedrich Merz geht es vor allem um Themen wie Altersvorsorge, AfD, Rente und den Vermögensverwalter Blackrock, bei dem Merz den Aufsichtsrat in Deutschland führt. Bei Annegret Kramp-Karrenbauer sind es die Talkshows und die CDU als Ganzes, bei Jens Spahn der Migrationspakt und die Gesundheitspolitik.

Die Republik schaut gebannt nach Hamburg, wo der künftige Vorsitzende beziehungsweise die künftige Chefin gekürt wird. Man muss kein Wahrsager sein um vorherzusehen, dass dies auch bei Twitter und anderen sozialen Netzwerken eine große Rolle spielen wird. Der Trend geht jedenfalls eindeutig in diese Richtung. Ob die Häufigkeit der Nennungen etwas über das morgige Ergebnis der Delegierten aussagt, wird man am Freitagabend dann sehen.