| 07:45 Uhr

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht
"Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden"

Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht hat sich gegen das geplante Einwanderungsgesetz für Fachkräfte ausgesprochen. Grund des Arbeitskräftemangels sei ein unterfinanziertes Bildungssystem in Deutschland.

"Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden", sagte Wagenknecht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es sei "zynisch", junge Leute mit einem Numerus Clausus vom Studium abzuhalten und "dann die qualifizierten Fachkräfte aus armen Ländern zu holen". Hauptgrund des Arbeitskräftemangels sei ein unterfinanziertes Bildungssystem.


Die Initiatorin der linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" fügte hinzu, Internationalismus bedeute nicht "Abwerbung der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben". Die EU habe sich bereits durch die Osterweiterung "in ein Instrument der Lohndrückerei verwandelt". Die globale Migration verschärfe das Problem zusätzlich.

Wagenknecht will Anfang September ihre Sammlungsbewegung "Aufstehen" offiziell vorstellen. Die Linken-Politikerin will damit nach eigenen Angaben keine neue Partei gründen, sondern die Voraussetzung für neue linke Mehrheiten in der Politik schaffen. Der "FAS" sagte Wagenknecht, es gehe auch darum, angewanderte Wähler von der AfD zu den linken Parteien zurückzuholen. Viele wählten die AfD aus Protest, "das sind keine Rassisten, sondern Menschen, die sich von der Politik im Stich gelassen fühlen", sagte die Politikerin.



Die Initiative "Aufstehen" stößt bei Grünen und SPD auf Vorbehalte, es gibt aber auch Unterstützung. Innerhalb der Linkspartei gibt es Befürchtungen, die neue Bewegung könne zu einer Spaltung führen. Wagenknecht ist wegen ihrer flüchtlingspolitischen Positionen auch bei den Linken umstritten - sie tritt für eine Begrenzung des Zuzugs ein.

Die Bundesregierung will das Einwanderungsgesetz für Fachkräfte nach der Sommerpause auf den Weg bringen. Es ist Bestandteil der Einigung der Koalition im Asylstreit. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte es im Juli als "zentrales Projekt" der großen Koalition bezeichnet.

(csi/AFP)