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Segelschulschiff mit explodierenden Reparaturkosten
Korruptionsverdacht bei der „Gorch Fock“

Ein prachtvoller Anblick der „Gorch Fock“ aus besseren Zeiten: Der Dreimaster unter vollen Segeln. Noch bis 2020 wird das ein Archivbild bleiben.
Ein prachtvoller Anblick der „Gorch Fock“ aus besseren Zeiten: Der Dreimaster unter vollen Segeln. Noch bis 2020 wird das ein Archivbild bleiben. FOTO: dpa
Erst verteuerte sich die Reparatur des berühmtesten Schiffes der Marine von zehn auf 135 Millionen Euro. Nun outet sich der Kostenkontrolleur. Ministerin von der Leyen schaltet den Staatsanwalt ein. Von Gregor Mayntz

Die Serie der schlechten Nachrichten für die einstige CDU-Hoffnungsträgerin Ursula von der Leyen reißt nicht ab. Kaum hat sich im Verteidigungsausschuss die nötige Mehrheit gefunden, um die Ministerin mit einem Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre zu konfrontieren, muss sie den Obleuten im Verteidigungsausschuss einen handfesten Korruptionsverdacht melden. Und das ausgerechnet beim weltweit berühmten Vorzeige-Segelschulschiff „Gorch Fock“, das schon unter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über Monate für Schlagzeilen sorgte.


Ein Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven hat sich laut Ministerium selbst der Vorteilsnahme bezichtigt. Es geht angeblich um einen günstigen Kredit in sechsstelliger Höhe, den er von einer Firma erhalten haben soll, die für die Bundeswehr mit der Generalüberholung des 60 Jahre alten Schiffes beauftragt wurde. Ausgerechnet er war für die technische Preisprüfung zuständig. Schon das allein macht klar, warum das Verteidigungsministerium inzwischen die Staatsanwaltschaft einschaltete.

Das Zeug zum Skandal steckt indes in der wundersamen Verteuerung der Reparaturkosten. Obwohl die „Gorch Fock“ bereits im Jahr 2010 generalüberholt worden war, wurde eine dauerhafte Instandsetzung nur sechs Jahre später mit weiteren zehn Millionen Euro taxiert. Das Ministerium begründete einen ersten phänomenalen Kostensprung auf 75 Millionen Euro mit dem Hinweis, dass der wahre Zustand des Schiffes beim Start der Ausschreibungen nicht bekannt gewesen sei. Inzwischen haben sich die veranschlagten Kosten erneut drastisch erhöht - auf nun 135 Millionen Euro. Um so sensibler reagiert die Politik auf den Korruptionsverdacht just an der Stelle, die für die Kostenkontrolle zuständig ist.



„Das wird der nächste Stresstest“, sagt SPD-Verteidigungsexperte Fritz Felgentreu genau einen Tag nach der Entscheidung über den Untersuchungsausschuss. Dieser soll ab Januar Hintergründe und Beziehungsgeflechte im Zusammenhang von Beraterverträgen für über 200 Millionen Euro aufrollen, die zu mehr als der Hälfte ohne die vorgeschriebene Begründung vergeben worden waren. Und was die Opposition am Vortag über das Geflecht zwischen Ministerium und Beratern forderte, formuliert die SPD nun auch zur „Gorch-Fock“-Reparatur: „Die internen Abläufe und die gesamte Geschäftsbeziehung zur Reparaturwerft müssen überprüft werden“, so Felgentreu.

Guttenberg hatte den Kapitän gefeuert, nachdem über angebliche Schikanen und eine „Meuterei“ an Bord berichtet worden war. Dem war ein tödlicher Sturz aus der Takelage vorangegangen. Der Kapitän wurde später rehabilitiert. Montag sollte der 60. Geburtstag des Schiffes groß gefeiert werden, die „Fock“ im Frühjahr wieder zur Offiziersausbildung in See stechen. Doch die Reparaturen dauern wohl ein Jahr länger.

Derweil hält die Politik an der außergewöhnlichen Ausbildungsstätte für den Marine-Führungsnachwuchs fest: „Keine Technik hat die Welt so verändert wie die Fähigkeit des Menschen, mit Windkraft über die Ozeane zu segeln“, sagt Unions-Außenexperte Jürgen Hardt, selbst ausgebildeter Marinesoldat. Trotz erheblicher Kostensteigerungen müsse die „Gorch Fock“ deshalb als Ausbildungsstätte und Technikdenkmal „Segelschiff“ voll einsatzfähig bleiben.