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Kommentar zu den Integrationskursen für Flüchtlinge
Wohlfeile Vorschläge – aber werden sie umgesetzt?

Die Integrationsbeauftragte Widmann-Mauz will die Integrationskurse für Flüchtlinge verbessern. Aber was wird aus ihrer Initiative? Von Birgit Marschall

Was die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, in ihrem Sieben-Punkte-Plan zur Verbesserung der Integrationskurse für Flüchtlinge aufgeschrieben hat, klingt alles plausibel: Die verschulten, einheitlichen und regelbasierten Kurse sollen stärker auf die individuelle Leistungsfähigkeit der Teilnehmer zugeschnitten, die Zahl der Kursteilnehmer verringert, die Wartezeiten verkürzt, ein vorgeschalteter „Wegweiser“-Kurs eingeführt, Kosten für Flüchtlinge reduziert werden – und so weiter. Es wäre wirklich schön, wenn das umgesetzt würde. Doch es ist nicht ganz klar, was aus diesem Forderungskatalog werden wird. Der Einfluss der Integrationsbeauftragten auf das zuständige, von CSU-Chef Horst Seehofer geführte Innenministerium jedenfalls ist begrenzt.


Tatsächlich liegt bei den Integrationskursen ganz viel im Argen. Wenn bei 1,4 Millionen Asylbewerbern seit 2015 bis Ende des Jahres 2017 erst 39.000 einen Integrationskurs begonnen haben, dann stimmt etwas nicht. Diese Zahlen schreien zum Himmel. Kein Politiker kann künftig mehr fordern, dass diese Kurse für alle Asylbewerber obligatorisch sein müssten, denn es gibt sie nicht für alle, sondern nur für eine ganz kleine Schar von ihnen. Die Wartezeiten sind infolgedessen zu lang, die Qualität zu schlecht.

Wer kein Deutsch sprechen kann, hat auf dem Ausbildungsmarkt keine Chance, geschweige denn auf dem Arbeitsmarkt insgesamt. Und wer die deutschen Regeln, die Gesetze und die fremde Kultur nicht kennt, kann mit ihnen allzu leicht in Konflikt geraten. Die Nachlässigkeit, mit der die Politik das Thema offenkundig weiterhin behandelt, kann das gesellschaftliche Klima weiter belasten.