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Kommentar zum Beschluss der Koalition
Das dicke Ende bei der Rente kommt noch

Nach einem völlig unnötigen öffentlichen Streit einigt sich die Koalition auf das Rentenpaket. Die echten Probleme liegen in der Zukunft. Von Eva Quadbeck

Geht doch. In nur anderthalb Stunden haben die Spitzen von Union und SPD ihre Streitigkeiten in der Sozialpolitik beigelegt. Bei der Mütterrente werden nun alle Mütter (und Väter) bedacht, die vor 1992 geborene Kinder erzogen haben. Da hat sich die SPD durchgesetzt. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung soll stärker sinken, als bisher im Koalitionsvertrag vorgesehen. Der Punkt geht an die Union. In diesem Fall haben beide Seiten die vernünftigere Lösung durchgesetzt.


Allerdings belastet auch dieses Rentenpaket erneut die Rentenkasse mit Milliardensummen. Angesichts der Rekordbeschäftigung und der brummenden Konjunktur lassen sich die Zusatzausgaben heute gut verkraften. Auch das Rentenniveau ist bis 2025 gesichert. Die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber aber werden steigen, noch nicht rapide. Der Anstieg weist aber darauf hin, dass in Zukunft vor allem die jüngere Generation belastet wird. In einer alternden Gesellschaft stellen Rentner und rentennahe Jahrgänge die Mehrheit der Wähler. Die Politik beginnt schon heute, sich diesem Druck zu beugen. Die Babyboomer-Generation, die heute mit hohen Gehältern die Rentenkasse füllt, geht in knapp zehn Jahren in den Ruhestand. Dann kommt das dicke Ende, von dem heute noch niemand weiß, wie die Altersbezüge auf gutem Niveau finanziert werden sollen, ohne dass der jüngeren Generation die Luft ausgeht. Die nun eingesetzte Rentenkommission hat also eine schwierige Denksportaufgabe vorliegen.

Die Sicherung der Rente ab 2025 ohne sozialen Unfrieden wird nur gelingen, wenn es in der jüngeren und älteren Generation die Bereitschaft gibt, mehr beizutragen oder Abstriche hinzunehmen. Es wird Zeit, dass die verantwortlichen Politiker den Menschen reinen Wein einschenken, anstatt mit Versprechen Luftschlösser zu bauen.