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Sexueller Missbrauch
Kinderschutzbund kritisiert mangelnde Umsetzung von Schutzkonzepten

Ein Justizbeamter steht im Gerichtssaal des Landgerichts Heilbronn. Am 27. August beginnt der Prozess gegen einen Erzieher, der sich zwischen 2012 und 2018 an einem Jungen sexuell vergangen haben soll.
Ein Justizbeamter steht im Gerichtssaal des Landgerichts Heilbronn. Am 27. August beginnt der Prozess gegen einen Erzieher, der sich zwischen 2012 und 2018 an einem Jungen sexuell vergangen haben soll. FOTO: dpa / Jan-Philipp Strobel
Schutzkonzepte für Kinder, die an Institutionen wie Kindergärten betreut werden, gibt es, nur umgesetzt werden sie häufig zu wenig, kritisieren Experten.

Verpflichtende Konzepte zum Schutz vor sexuellem Missbrauch in Kindergärten finden nach Einschätzung des Deutschen Kinderschutzbundes zu wenig Beachtung. „Man muss grundsätzlich weg von dem Gedanken "Bei uns passiert sowas nicht", weil es leider überall passieren kann“, sagte Vize-Präsident Christian Zainhofer der Deutschen Presse-Agentur in Heilbronn.


Dort steht von Montag an der Ex-Leiter eines evangelischen Kindergartens wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Schulkindes vor Gericht. Auf die Spur des Mannes kamen die Ermittler, als er beim Tausch von Kinderpornos erwischt und bei ihm tausende Fotos und Videos entdeckt wurden.

„Zu einem Erzieher in einem Kindergarten besteht natürlich ein besonders Vertrauensverhältnis“, sagte Zainhofer: „Es ist ein Ort, an dem sich Kinder sicher fühlen sollen.“ Ist ein Kindergarten von Missbrauchstaten betroffen, sei das daher besonders erschreckend. Umso wichtiger sei Prävention. „Jede einzelne Einrichtung und auch Sportvereine brauchen eine Risikoanalyse und ein Schutzkonzept, wie solche Übergriffe verhindert werden können.“



Dies sei gesetzlich vorgeschrieben, ergänzte die stellvertretende Geschäftsführerin Martina Huxoll-von Ahn: „Sowas muss aber auch gelebt werden.“ Zu oft würden Konzepte nicht beachtet. Als dramatisch bezeichneten die Experten die Geschichte des Falls in Heilbronn. Vom Erwischen des Mannes mit Kinderpornos bis zu seiner Absetzung im Kindergarten vergingen demnach zwei Jahre. „Wenn es stimmt, dass es 15 Monate dauerte, bis der Arbeitgeber des Mannes informiert wurde, ist das natürlich eine Katastrophe“, sagte Zainhofer.

(sbl/dpa)