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10 Jahre Deutsch-Französischer Freiwilligendienst
Immer mehr Freiwillige wollen über die Grenze

Ihr Freiwilligendienst führte Eileen Becker von Rehlingen-Siersburg nach Marseille. Sie empfiehlt diese Erfahrung weiter.
Ihr Freiwilligendienst führte Eileen Becker von Rehlingen-Siersburg nach Marseille. Sie empfiehlt diese Erfahrung weiter. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Der Deutsch-Französische Freiwilligendienst feiert in Saarbrücken zehnjähriges Jubiläum. Saarländerin Eileen Becker blickt auf ihren Aufenthalt in Marseille zurück. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Gerade jetzt bei dem trüben Wetter vermisst Eileen Becker die Sonne von Marseille besonders. Dort hat die 24-Jährige aus Rehlingen-Siersburg gerade ein Jahr verbracht und beim Goethe Institut einen deutsch-französischen Freiwilligendienst (DFFD) absolviert. „Nach dem Studium wusste ich nicht genau, in welche Richtung es gehen soll“, sagt sie. „Ich wollte Berufserfahrung sammeln, aber in einem ‚geschützten’ Rahmen.“ So wie ihr geht es jedes Jahr immer mehr jungen Menschen. „Als wir 2007 den DFFD ins Leben gerufen haben, hatten wir 18 Teilnehmer“, erinnert sich Béatrice Angrand, Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW). In diesem Jahr engagieren sich 450 Freiwillige im Nachbarland. In einem Sportverein, auf einem Bauernhof, an einer Schule, bei einer Gemeinde oder in einer kulturellen Institution – die Einsatzstellen sind vielfältig. Genau wie Eileen Becker „wollen die meisten Bewerber eine erste Berufserfahrung mit einem Auslandsaufenthalt kombinieren“, berichtet Angrand. Viele würden mit geringeren Sprachkenntnissen anfangen und erst durch das Jahr vor Ort richtig Lust bekommen, Französisch beziehungsweise Deutsch intensiver zu lernen. Das Programm richtet sich an junge Frauen und Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Dabei sind die Profile beiderseits der Grenze unterschiedlich. Während sich die Deutschen meistens nach dem Abitur für ein Auslandsjahr entscheiden, warten die Franzosen damit eher bis nach dem Studium.


Seit zehn Jahren existiert das Angebot, 1540 junge Leute nahmen bisher daran teil. „Die Idee dazu ist aber älter“, erläutert DFJW-Generalsekretär Markus Ingenlath. Doch erst seit 2007 gebe es auch in Frankreich einen gesetzlichen Rahmen dafür.  Seinen ersten runden Geburtstag feierte das Programm gestern in der Congresshalle in Saarbrücken. Denn hier im Saarland befindet sich die Außenstelle des DFJWs, die sich um die Betreuung der Freiwilligen kümmert. Darüber freut sich Europa-Minister Stephan Toscani (CDU): „Wir im Saarland empfinden uns als Brücke zwischen Deutschland und Frankreich. Die Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern ist nie am Ende, jede Generation muss sich dieser Verbindungen bewusst werden und den Mehrwert darin erkennen.“

Das sieht auch Eileen Becker so: „Heute sind die territorialen Grenzen zwar offen, aber es ist auch wichtig, die kulturellen Grenzen zu überwinden.“ Beim Goethe-Institut in Marseille hat sie viel über die französische aber auch über die eigene Kultur gelernt. Ihre Arbeit bestand unter anderem darin, Kinoabende, Ausstellungen und Auftritte von Künstlern zu organisieren. „Ich habe auch viel im Bereich Kommunikation – auch über die sozialen Netzwerke – gearbeitet. Für die Jobsuche ist es auf jeden Fall ein Pluspunkt“, ist Becker überzeugt. Den Freiwilligendienst in Frankreich empfiehlt sie anderen weiter. „Wenn man in einer kleinen Struktur eingesetzt wird, ist es am Anfang nicht einfach, sich ein soziales Umfeld aufzubauen, aber es lohnt sich, über seinen Schatten zu springen und den Kontakt zu suchen“, sagt sie. Für sie ging das über ihre französischen Mitbewohner und die Anmeldung in einem Tanzstudio. Heimweh hatte sie kaum. Vier Mal im Jahr besuchen die Freiwilligen Bildungsseminare in gemischten deutsch-französischen Gruppen. „Man hat dadurch feste Ansprechpartner, an die man sich bei Problemen oder Fragen wenden kann. Mit manchen aus meiner Seminargruppen bin ich jetzt richtig befreundet“, sagt sie. Nach dem Freiwilligendienst traut sich Eileen Becker den nächsten Schritt. Bald fährt sie zurück nach Marseille. Diesmal auf Jobsuche. Ein Jahr war wohl nicht genug.