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Großdemonstration gegen Homo-Ehe

Lautstark zeigten diese Frauen gestern in Paris, dass sie von der Homo-Ehe nichts halten. Foto: Langsdon/dpa
Lautstark zeigten diese Frauen gestern in Paris, dass sie von der Homo-Ehe nichts halten. Foto: Langsdon/dpa
Paris. Die Frage von "Mama" und "Papa" regt Colette am meisten auf. "Ich bin selbst Mama und nicht einfach nur ein Elternteil. Kinder brauchen beides, eine Mutter und einen Vater", erklärt die Rentnerin aus einem Vorort von Paris aufgebracht Von SZ-Mitarbeiterin Birgit Holzer

Paris. Die Frage von "Mama" und "Papa" regt Colette am meisten auf. "Ich bin selbst Mama und nicht einfach nur ein Elternteil. Kinder brauchen beides, eine Mutter und einen Vater", erklärt die Rentnerin aus einem Vorort von Paris aufgebracht. An diesem grauen Sonntagnachmittag ist sie extra in die Stadt gefahren, um gegen ein Gesetz zu demonstrieren, das den Homosexuellen das Recht auf Heirat und Adoption erlauben und die Bezeichnungen "Mutter" und "Vater" mit einem neutralen "Elternteil" ersetzen soll.



Hunderttausende Franzosen protestierten gestern mit ihr in Paris und anderen Städten im ganzen Land gegen die geplante gleichgeschlechtliche Ehe. Sie hielten Spruchbänder hoch, auf denen es hieß: "Hände weg von meinem Bürgergesetzbuch" oder die Aufschrift "Made in Mama und Papa" unter einem Baby-Foto prangte. "Hollande, geh' heiraten", skandierten die Demonstranten in Anspielung auf den unverheirateten Präsidenten, der mit dem Gesetz ein Zeichen für ein liberales Frankreich setzen wollte und nun überraschend heftigem Widerstand gegenübersteht.

"Demo für alle" nennt sich die neu gegründete Bewegung als Antwort auf die von François Hollande vorgeschlagene "Ehe für alle". Die massive Mobilisierung verdankt sie vor allem der katholischen Kirche. Der Erzbischof von Paris, Kardinal André Vingt-Trois, sicherte den Demonstranten gestern seine Unterstützung zu. "Den sexuellen Unterschied nicht anzuerkennen, wäre eine Täuschung, die unsere Gesellschaft in ihren Grundfesten erschüttern würde", sagte er.

Bei einer ersten Aktion im November kamen bereits 100 000 Menschen landesweit. Zwar befürworten laut einer aktuellen Umfrage 56 Prozent der Franzosen die Einführung der Homo-Ehe und 50 Prozent auch die Möglichkeit für Homosexuelle, Kinder zu adoptieren. Doch die Gegner verschaffen sich lautstark Gehör. Allen voran ihre Sprecherin, die Humoristin Frigide Barjot, übersetzt "Frigide Durchgeknallt", die mit ihrem Künstlernamen auf die Filmdiva Brigitte Bardot anspielt und in ihrer schrill-pinken Aufmachung eher an Schwulen- und Lesben-Paraden denken lässt. Die Demonstration richte sich nicht gegen Homosexuelle, sondern ein Gesetz, das die Konzeption des menschlichen Wesens verändern wolle, sagt Barjot. "Mit 200 000 bis 300 000 Leuten wären wir glaubwürdig, damit der Präsident uns anhört." Laut Organisatoren versammelten sich bis zu 800 000 Menschen, die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 340 000.

Hollande hat angekündigt, das Gesetz zur Homo-Ehe komme auf jeden Fall, so wie er es im Wahlkampf versprochen habe. Lediglich die Erlaubnis einer künstlichen Befruchtung für lesbische Frauen, die auch in seiner eigenen sozialistischen Partei umstritten ist, könnte aufgeschoben werden.



Für die bürgerlich-konservative Opposition eignet sich die Diskussion, Hollande herauszufordern. Während Ex-Premierminister François Fillon Hollande in einem offenen Brief lieber zu einer Überarbeitung der eingetragenen Lebenspartnerschaft aufrief, demonstrierte der Chef der konservativen UMP, Jean-François Copé, persönlich mit: "Eine Reform mit Gewalt durchzudrücken, ist gefährlich", sagte er.

Lautstark zeigen diese Frauen in Paris, dass sie von der Homo-Ehe nichts halten. Foto: Langsdon/dpa
Lautstark zeigen diese Frauen in Paris, dass sie von der Homo-Ehe nichts halten. Foto: Langsdon/dpa