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Frauen an vorderster Front

Washington. Frauen in der US-Armee sollen künftig an vorderster Front kämpfen dürfen. Demnach plant das Pentagon, den generellen Ausschluss von Soldatinnen vom direkten Kampfgeschehen aufzuheben. Verteidigungsminister Leon Panetta wolle seine Vorschläge noch gestern vorstellen, berichtete ein nicht näher genannter Regierungsbeamter in Washington

Washington. Frauen in der US-Armee sollen künftig an vorderster Front kämpfen dürfen. Demnach plant das Pentagon, den generellen Ausschluss von Soldatinnen vom direkten Kampfgeschehen aufzuheben. Verteidigungsminister Leon Panetta wolle seine Vorschläge noch gestern vorstellen, berichtete ein nicht näher genannter Regierungsbeamter in Washington. Durch die Neuregelung würden hunderttausende Jobs auch für Frauen möglich sein, schrieb unter anderem die "New York Times".Die bisherigen Vorschriften dienten dazu, Frauen möglichst hinter der Front zu stationieren und aus Gefechten herauszuhalten. Soldatinnen durften bisher zwar in kämpfenden Truppenteilen dienen, selbst aber nicht am Kampfgeschehen teilnehmen. Das soll sich nach dem Willen von Panetta in den kommenden Jahren ändern. Es werde aber auch künftig noch Ausnahmen geben, hieß es in den Berichten. Das Militär dürfe jede Arbeit überprüfen, ob sie grundsätzlich für Frauen geeignet sei, berichtete der TV-Sender CNN. Dafür habe die Armee bis 2016 Zeit.



Die Initiative zur Öffnung der Armee ging vom Militär selber aus, berichtet die "New York Times". Panetta habe von Generalstabschef Martin Dempsey am 9. Januar einen Brief erhalten, in dem er ausgeführt habe, dass die Militärvorderen sich einig seien: "Es ist an der Zeit, die Regel zum Ausschluss von Frauen im direkten Kampf zu annullieren und alle unnötigen geschlechtsspezifischen Hürden aufzuheben."

In ersten Reaktionen wurde die geplante Neuregelung begrüßt. Die Öffnung werde dafür sorgen, "dass qualifizierte Frauen die gleiche Chance haben, sich im Kampfgeschehen hervorzutun wie ihre männlichen Kampfgefährten", lobte Ariela Migdal von der Amerikanischen Bürgerrechtsunion. Ohnehin sei in modernen Kriegen oft nicht klar, was zum direkten Kampfgeschehen zähle und was nicht, zitiert "USA Today" den demokratischen Senator Jack Reed. "Die Realität moderner Schlachtfelder ist, dass dort alle, die dienen, direkt im Kampfgeschehen stecken."

Die derzeitige Regelung aus dem Jahr 1994 schloss Frauen von vielen Positionen in Infanterie und Artillerie aus. Laut Zahlen der "New York Times" dienten im Irak und in Afghanistan dennoch rund 20 000 US-Soldatinnen. Bis zum Ende des vergangenen Jahres kamen 130 von ihnen ums Leben, 800 wurden verletzt.

Seit dem Umbau des US-Militärs zur Freiwilligenarmee hat laut dem PEW Research Center die Zahl der Frauen im Militärdienst massiv zugenommen. Von rund 42 000 im Jahr 1973 vervierfachte sich ihre Zahl auf rund 167 000 im Jahr 2010. dpa



Meinung

Warum eigentlich nicht?

Von SZ-KorrespondentThomas Spang

Frauen an die Front - warum eigentlich nicht? Für die Ungleichbehandlung in Uniform gibt es wirklich keinen plausiblen Grund. Insbesondere nicht nach den Erfahrungen der vergangenen zehn Jahre in Irak und Afghanistan. Dass ihnen trotz der gleichen Gefährdung rund ein Viertel aller Positionen in den US-Streitkräften verschlossen blieb, lässt sich nicht mehr vermitteln. Das sieht inzwischen auch die Generalität in den USA so. Auf Grundlage einer Empfehlung setzte der scheidende Verteidigungsminister Leon Panetta die volle Gleichberechtigung in den Streitkräften durch.

Das ist ein weiterer historischer Durchbruch, der der Gleichstellung homosexueller Soldaten im vergangenen Jahr folgt. Er wird die US-Army und US-Marines verändern.