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Kommentar zum Aus der Zeitumstellung
Purer Sommerzeit-Populismus

EU-Kommissionspräsident Juncker kündigt an, dass er sich für ein Ende der Zeitumstellung einsetzen wird - „weil die Menschen das wollen“. Daran gibt es allerdings erhebliche Zweifel. Von Matthias Beermann

Manchmal ist es schon erstaunlich mit der EU. Sie ist berüchtigt für ihre unendliche Schwerfälligkeit, die langen und längst nicht immer erfolgreichen Prozesse, die dazu dienen sollen, die Interessen von 28 Mitgliedstaaten unter einen Hut zu bringen.


Man darf also vermuten, dass EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker jetzt auch deshalb so begeistert die Gelegenheit ergriff, ungewohnte Dynamik zu verbreiten, indem er völlig überraschend das Ende der Zeitumstellung ankündigt. Nach dem Motto: Hoppla hopp, wir machen jetzt einfach das, was die Bürger wollen!

Wirklich? Zuvor hatte das Europaparlament über den umstrittenen Wechsel von Winter- zu Sommerzeit abstimmen lassen. Bei der nicht repräsentativen Umfrage hatten sich rund 4,6 Millionen Menschen beteiligt, darunter offenbar zwei Drittel aus Deutschland. 80 Prozent stimmten gegen die Zeitumstellung. Das hört sich nach viel an, aber es hat eben auch nur ein Bruchteil der rund 500 Millionen EU-Bürger abgestimmt. Und die bekommen jetzt wahrscheinlich noch nicht einmal das, was sie sich mehrheitlich gewünscht hatten, nämlich die dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit.



Denn ein Ende der Zeitumstellung, der im Übrigen erst noch das Europaparlament und alle Mitgliedsstaaten zustimmen müssten, würde bedeuten, dass künftig immer die Winterzeitregelung gilt. Junckers flotte Ankündigung ist purer Populismus: Hört sich erst einmal toll an, hält aber nicht, was es verspricht.