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| 20:06 Uhr

Die Welt des "Guido Genscher"

Guido Westerwelle würde gern in die Fußstapfen von Hans-Dietrich Genscher treten. Foto: dpa
Guido Westerwelle würde gern in die Fußstapfen von Hans-Dietrich Genscher treten. Foto: dpa
Berlin. Im alten Diplomatenviertel am Tiergarten hat die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ihren Sitz, eine der wichtigen Denkfabriken der deutschen Außenpolitik. Ein guter Platz also für FDP-Chef Guido Westerwelle, um seine "Bewerbungsrede" als Außenminister zu halten

Berlin. Im alten Diplomatenviertel am Tiergarten hat die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ihren Sitz, eine der wichtigen Denkfabriken der deutschen Außenpolitik. Ein guter Platz also für FDP-Chef Guido Westerwelle, um seine "Bewerbungsrede" als Außenminister zu halten. Sorgfältig arbeitet sich der 47-Jährige an das Amt heran, das er nach der Bundestagswahl gern übernehmen würde. Er perfektioniert sein Englisch, geht auf Auslandsreisen. Offiziell ist die Kandidatur noch nicht. Aber ein Geheimnis macht der einstige Spaßpolitiker aus seinen Ambitionen längst nicht mehr. Für den "Stern" ließ er sich als Weltenlenker fotografieren - mit der Hand auf dem Globus, vor dem schon Hans-Dietrich Genscher posiert hatte. Überhaupt Genscher. In 45 Minuten Grundsatzrede erwähnte Westerwelle am Montagabend keinen Namen so oft wie den des außenpolitischen Übervaters. Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier kamen überhaupt nicht vor. Passenderweise hatte ihn die Saalregie auch noch unter einem Foto des einstigen FDP-Außenministers platziert. Westerwelle - ansonsten einer der besten Redner in Berlin - war anzumerken, dass er sich auf diplomatischem Parkett noch nicht zuhause fühlt. Die 35-Seiten-Rede las er fast völlig vom Blatt ab. Bloß kein Faux-Pas. Alles in allem war es ein Vortrag, den auch der Amtsinhaber so hätte halten können. Nicht nur, weil der FDP-Chef gleich zu Beginn noch einmal deutlich machte, dass sich die deutsche Außenpolitik durch "viel Kontinuität und wenig Hakenschläge" auszeichne.

Auch das Bekenntnis zum Westen, zur EU sowie zur kritischen Partnerschaft mit Russland gehören zum Allgemeingut der deutschen Diplomatie. Die meisten Unterschiede waren beim Thema Menschenrechte herauszuhören. Aber selbst der Satz "Wer hier ehrlich auftritt, gewinnt mehr Glaubwürdigkeit als jener, der leise tritt und Deutschland im Ausland nur als oberster Handelsvertreter repräsentiert" war weniger gegen Steinmeier gemünzt als gegen Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Und auch in der Fragerunde ließ sich Westerwelle kein Wort zu viel herauslocken. Allenfalls noch ein stolzer Hinweis auf die anhaltend hohen Umfragewerte: "Machen Sie sich um mich keine Sorgen. Aus mir wird was." dpa