| 21:28 Uhr

Der neue Mappus-Flüsterer

Stuttgart. Stefan Mappus (Foto: dpa) hat einen neuen Regierungssprecher. Er heißt Heiko Kusche, ist 37 Jahre alt und leitete einmal die CDU-Geschäftsstelle in Pforzheim. Alte Verbundenheit zum Premier hievte ihn auf diese Position. Und doch darf er den Job nicht allein machen Von SZ-Mitarbeiterin Gabriele Renz

Stuttgart. Stefan Mappus (Foto: dpa) hat einen neuen Regierungssprecher. Er heißt Heiko Kusche, ist 37 Jahre alt und leitete einmal die CDU-Geschäftsstelle in Pforzheim. Alte Verbundenheit zum Premier hievte ihn auf diese Position. Und doch darf er den Job nicht allein machen. Denn Mappus hat zusätzlich einen Medienberater verpflichtet, der weiß, wie man sperrige Politiker vermarktet: den 53-jährigen Dirk Metz (Foto: dpa).Elf Jahre war er Regierungssprecher des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Die beiden verband eine so große Vertrautheit, dass ein Blick genügte, um Koch Signale zu senden, ob er nun gut oder weniger gut über den Äther kam, ob er rhetorisch noch eine Schippe drauflegen muss oder nicht. "Koch-Flüsterer" nannten sie den dreifachen Familienvater, der aus Verbundenheit zu seinem Club Schalke 04 nur blaue Krawatten trägt und seit 1992 Hallensprecher der Handball-Nationalmannschaft ist. Metz galt als Kochs engster Vertrauter, als Spin-Doktor.Einfühlungsvermögen und Loyalität gelten dem markanten Kahlschädel etwas. Aufs Genaueste schaute der leidenschaftliche Politikbegleiter darauf, welche Worte Roland Koch in den Mund gelegt wurden. Im Wahlkampf 2008 ärgerte sich Metz maßlos über die Schlagzeile "Jetzt will Koch auch Kinder in den Knast stecken". Eine unbedachte Äußerung Kochs im Interview - und die Opposition konnte ihn zum rechten Ausländerfresser stilisieren. Am Ende machten nicht wenige Beobachter auch Metz für die Wahlschlappe der hessischen CDU und das Ende der Ära Koch verantwortlich. Und doch rief ihn Mappus in seiner bislang schwierigsten Lage zu Hilfe. 35 Prozent in Umfragen für seine CDU, Proteststürme gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21, ein Image als Atomlobbyist - es gibt genug zu tun für Metz.Der Profi soll Mappus "in Fragen der Mediennutzung mit Blick auf überregionale Medien" vermarkten helfen. Metz, der erfahrenste Regierungssprecher in Deutschland, sei erste Wahl, sagt Mappus. Metz beteuert, er habe es sich gut überlegt, von einer Landesregierung zur anderen zu springen, sogar den Rat Kochs eingeholt. Ausschlaggebend könnte die Ähnlichkeit im Wesen der beiden CDU-Männer gewesen sein, das Stehen gegen den Wind der veröffentlichten Meinung. Metz sieht Mappus als eigenen Typus im Kreise der Regierungschefs, dessen Image sich allerdings verbessern lasse. Ob er es ohne Schreibtisch in Stuttgart und nur mit Blackberry auch zum einflussreichen Mappus-Flüsterer bringt, wird sich zeigen.