| 20:16 Uhr

China zensiert zum Parteitag Internetdienste

Peking. Erstmals hat China während des Parteitags der Kommunistischen Partei den Zugang zu einer ganzen Reihe von Google-Diensten gesperrt. Nie zuvor waren nach Angaben von Experten so viele Menschen von der Blockade eines Webdienstes betroffen. Auch Tunnelverbindungen, die den ungefilterten Zugang zu Informationen aus dem Ausland ermöglichen, werden attackiert und lahmgelegt Von dpa-Mitarbeiter Andreas Landwehr

Peking. Erstmals hat China während des Parteitags der Kommunistischen Partei den Zugang zu einer ganzen Reihe von Google-Diensten gesperrt. Nie zuvor waren nach Angaben von Experten so viele Menschen von der Blockade eines Webdienstes betroffen. Auch Tunnelverbindungen, die den ungefilterten Zugang zu Informationen aus dem Ausland ermöglichen, werden attackiert und lahmgelegt.Die Unterbrechung bei Google dauerte etwa zwölf Stunden bis Samstagmorgen. Außer der Suchmaschine waren auch G-Mail, Maps und Dokumente nicht erreichbar. Nach Angaben des Beobachtungsdienstes greatfire.org handelte es sich um so genanntes "DNS-Poisoning". Dabei wird die Zuordnung zwischen "Hostnamen" und der zugehörigen IP-Adresse gefälscht.


Die Attacke war nach Ansicht der Experten kein Versehen, sondern wohl überlegt. Offensichtlich sollte eine komplette "Google-Blockade" getestet werden. Aus Angst vor empörten Reaktionen der vielen G-Mail-Nutzer in China hätten die Behörden bisher von einer Sperre abgesehen. "Vielleicht wollten sie jetzt testen, wie wichtig den Leuten der Zugang zu Google ist, um zu einer Entscheidung zu kommen, ob sie es künftig permanent sperren", analysierte greatfire.org. Die Angriffe demonstrieren laut Experten eine neue technische Versiertheit der "Great Firewall" in China.

Der nur alle fünf Jahre stattfindende Parteikongress ist der erste im Zeitalter sozialer Netze. Im Vorfeld hatten schwere Korruptionsskandale und Machtkämpfe die Partei erschüttert. Ein aufgestocktes Heer von Zensoren durchkämmt die twitter-ähnlichen, "Weibo" genannten Mikroblogs nach unliebsamen Inhalten.

Die rund 2300 Delegierten werden einen Führungswechsel einleiten: Der 69 Jahre alte Parteichef Hu Jintao wird vom zehn Jahre jüngeren Vizepräsidenten Xi Jinping abgelöst. Seit den Berichten über das Vermögen der Familien von Xi Jinping und Regierungschef Wen Jiabao sind die Webseiten der "New York Times" und der Nachrichtenagentur Bloomberg gesperrt. Die Filter zum Parteitag haben die ohnehin langsame Geschwindigkeit des Internet in China noch weiter gebremst.

Auch die Angriffe auf so genannte Tunneldienste haben ein bislang ungekanntes Ausmaß erreicht. Mit diesen VPN-Verbindungen (Virtual Private Network) können Nutzer in China die Sperren umgehen. So können die in China gesperrten sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter oder das Videoportal Youtube benutzt werden. Auch internationale Firmen in China nutzen solche VPN-Tunnel.



Nach Baidu ist Google in China nur die zweitgrößte Suchmaschine, zählt aber zu den fünf wichtigsten Webseiten im Land. Bei mehr als 500 Millionen Internetnutzern in China hat Google viele Millionen chinesische Nutzer. Wer von China aus politisch heikle Suchwörter eingibt, endet meist vor einem blanken Schirm. Danach sind häufig auch andere Dienste wie G-Mail vorübergehend gesperrt.