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Blutbad auf algerischem GasfeldEU beschließt Ausbildermission in Mali

Algier/Bamako. Afrikas militante Islamisten halten die Welt in Atem. Eine algerische Militäraktion zur Befreiung von Dutzenden Geiseln aus der Hand von Terroristen führte zu einem Blutbad. Nach Darstellung der Terroristen wurden 35 Geiseln und 15 Kidnapper getötet, als die algerische Luftwaffe die Geiselnehmer gestern auf dem Gasfeld im Osten des Landes angriff

Algier/Bamako. Afrikas militante Islamisten halten die Welt in Atem. Eine algerische Militäraktion zur Befreiung von Dutzenden Geiseln aus der Hand von Terroristen führte zu einem Blutbad. Nach Darstellung der Terroristen wurden 35 Geiseln und 15 Kidnapper getötet, als die algerische Luftwaffe die Geiselnehmer gestern auf dem Gasfeld im Osten des Landes angriff. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht, der Hergang der Aktion und die tatsächliche Zahl der Opfer blieb zunächst unklar.Nach Informationen der algerischen Nachrichtenagentur APS konnten bei der Militäraktion vier ausländische Geiseln befreit werden. Weitere sieben sollen noch in der Gewalt der Entführer sein. Mehrere Geiseln konnten fliehen. Ein überlebender Ire meldete sich bei seinen Angehörigen.


Paris, London und Oslo bestätigten die Militäraktion auf dem Gasfeld In Amenas im Osten des Landes. Unter den Geiseln waren auch Franzosen, Briten, Norweger, Amerikaner, Iren und Japaner. Die schwer bewaffneten Terroristen hatten die Siedlung der Ölarbeiter am frühen Mittwochmorgen in drei Fahrzeugen angriffen.

Die Islamisten drohten damit, im Fall eines Militärangriffs ein Blutbad unter den Geiseln anzurichten. Sie hielten seit dem Überfall auf das Gasfeld nach eigenen Angaben 41 westliche Arbeiter in ihrer Gewalt. Nach algerischen Quellen waren es rund 20 Geiseln.

Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation Al Qaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die militanten Islamisten forderten ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Die nordmalische Islamistengruppe Ansar Dine bestritt jede Verbindung zu dem Kommando. Hinter der Aktion stünden aber Menschen, die den Islam verteidigten, sagte ein Sprecher der Tuareg-Gruppe. Ansar Dine ist eine der islamistischen Gruppen, die den Norden Malis kontrollieren.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich "tief betroffen" über den Tod der Geiseln. "Diese Terroristen, das sind keine Freiheitskämpfer. Das sind brutale Kriminelle, die auch vor der Ermordung von Unschuldigen keinen Halt machen", sagte er in Brüssel nach Beratungen der EU-Außenminister. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) warnte vor der Terrorgefahr für Europäer. "Wir stehen im Fadenkreuz des islamistischen Terrors", sagte er beim Treffen der EU-Innenminister im irischen Dublin. Der britische Außenminister William Hague kritisierte die Terroraktion als "kaltblütigen Mord".



In Mali verstärkte Frankreich seine Truppen - von 800 auf 1400 Soldaten. Die Vorbereitungen für den Mali-Einsatz von zunächst 2000 Soldaten aus Ländern der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas liefen auf Hochtouren, als erste wurden bis zu 500 Mann aus Nigeria erwartet. dpa

Brüssel. Die Europäische Union schickt voraussichtlich im Februar 200 bis 250 Militärausbilder nach Mali. Das beschlossen die Außenminister der 27 EU-Staaten bei einer Sondersitzung gestern in Brüssel. "Frankreich ist nicht alleine. Frankreich hat in der richtigen Weise reagiert", sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Wichtig sei jetzt, die afrikanischen Kräfte vor Ort zu stärken. Die Ausbilder sollen daher die Armee des Krisenlandes bereit für den Kampf gegen Aufständische machen.

Die EU-Trainingsmission in Mali soll strikt vom Kampfeinsatz getrennt sein, den Frankreich seit Freitag gegen Gruppen führt, die in Verbindung mit der Terrororganisation Al-Qaida stehen sollen. Sie ist zunächst auf 15 Monate angelegt. Die EU-Militärausbilder sollen von etwa 200 Soldaten geschützt werden.

Der Umfang der deutschen Beteiligung stehe noch nicht fest, erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Rande des Treffens in Brüssel. Sicher ist bisher, dass zwei Transall-Maschinen der Bundeswehr heute Richtung Mali zur logistischen Unterstützung starten sollen.

Der geplante Bundeswehreinsatz trifft in der deutschen Bevölkerung auf deutlich mehr Zustimmung als Ablehnung. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sprachen sich 49 Prozent für eine logistische Unterstützung des Kampfes gegen die Rebellen und für Ausbildungshilfe aus, nur 34 Prozent sind dagegen. dpa