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Währungskrise in der Türkei
Erdogan warnt Unternehmen vor Abheben von ausländischen Währungen

Am Morgen treten in der Türkei die erhöhten Zölle der USA in Kraft. Die Lira sank auf ein Rekordtief. Präsident Erdogan hat Geschäftsleute zu Besonnenheit gemahnt und einen Aktionsplan angekündigt.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Unternehmen seines Landes vor dem Abheben ausländischer Währungen gewarnt. Im Zuge der Krise um die türkische Lira sollten Geschäftsleute nicht zu den Banken eilen, um sich Fremdwährungen zu besorgen, sagte Erdogan am Sonntag in der nordosttürkischen Stadt Trabzon. Es sei auch Aufgabe von Industriellen und Händlern, die Türkei am Leben zu halten, sagte der Staatspräsident.


Die Türkei war in den vergangenen Tagen noch weiter in ihre Währungskrise gestürzt. Am Freitag hatte die Lira zeitweise bis 19 Prozent ihres Wertes verloren. Ausgelöst hatten das unter anderem Bedenken wegen der Wirtschaftspolitik der türkischen Regierung sowie die angekündigten Strafzölle der USA. Donald Trump hatte am Freitag mitgeteilt, er habe die Verdopplung der Zölle auf Stahl und Aluminium bewilligt. Aluminium aus der Türkei wird ab Montagmorgen mit 20 Prozent und Stahl mit 50 Prozent, statt wie bisher 25 Prozent belegt.

In einem Interview mit der Zeitung „Hürriyet“ sagte Schatz- und Finanzminister Berat Albayrak, die Regierung habe keine Pläne, Einlagen in Fremdwährung zu beschlagnahmen oder Einlagen in türkische Lira umzutauschen.Die Regierung habe einen „Aktionsplan“ vorbereitet, um die Bedenken der Märkte zu beruhigen. Die Institutionen des Landes sollten ihn am Montagmorgen durchsetzen und die notwendigen Ankündigungen mitteilen. Ohne weitere Details publik zu machen, sagte Albayrak, alle Vorsichtsmaßnahmen seien getroffen. Seine Ankündigung wirkte sich auf den Finanzmärkten positiv aus.



Die türkische Bankenaufsicht BDDK begrenzt angesichts der Währungskrise die Swap-Transaktionen der heimischen Banken mit ausländischen Investoren. Sie sollten künftig nur noch 50 Prozent des Eigenkapitals der jeweiligen Bank ausmachen, teilte die Aufsicht in der Nacht zu Montag mit. Das gelte auch für das Spot- und Termingeschäft, hieß es in der Erklärung.

Entzündet hatten sich die Streitigkeiten zwischen der Türkei und den USA Anfang des Monats, als die USA die Freilassung des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson und weiterer amerikanischer Staatsbürger gefordert hatten. Die USA verhängten deswegen in der vergangenen Woche Sanktionen gegen den türkischen Innenminister Süleyman Soylu sowie gegen Justizminister Abdülhamit Gül. Mögliche Vermögen der Minister in den USA wurden eingefroren. Zudem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen machen.

(juju/AP/reu/dpa)