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65 Jahre nach Koreakrieg
Südkoreaner treffen Familienangehörige in Nordkorea

Rund 200 Südkoreaner bereiten sich auf ein Wiedersehen mit Verwandten vor, die sie mehr als 65 Jahre lang nicht in die Arme geschlossen haben. Die Zusammenführung ist für die Betagten die letzte Chance auf ein Treffen.

Im Koreakrieg (1950-1953) getrennte Familien können ihre Angehörigen erstmals nach mehr als 60 Jahren wiedersehen. Am Montag reiste eine Gruppe älterer Südkoreaner über die Grenze, um an dem dreitägigen Treffen teilzunehmen. Am Freitag soll eine weitere Gruppe aufbrechen. Für viele von ihnen ist es die einzige Chance, ihre Angehörigen vor dem Tod noch einmal zu sehen. Sie waren im Chaos des Krieges von 1950 bis 1953 getrennt worden.


Am Montagmorgen fuhren die ausgewählten Südkoreaner in Bussen zur Amtsstube der südkoreanischen Einwanderungsbehörde an der Grenze in Goseong. Einige Familienmitglieder saßen in Rollstühlen, andere waren auf Hilfe beim Laufen angewiesen. Nach der Überprüfung ihrer Dokumente fuhren sie mit Bussen über die Grenze in Richtung Diamantengebirge, wo das dreitägige Treffen in einer Hotelanlage stattfinden sollte.

Bei den Betroffenen handelt es sich überwiegend um in Nordkorea geborene Kriegsflüchtlinge, die als Geschwister getrennt wurden oder die ihre Kleinkinder auf der Flucht zurücklassen mussten. Die meisten von ihnen sind zwischen 70 und mehr als 90 Jahre alt.



Das südkoreanische Ministerium für Wiedervereinigung erklärte, bis zum Ende der Woche solle es zwei Runden geben. Von Montag bis Mittwoch sollten 197 Südkoreaner und Angehörige an der Zusammenführung teilnehmen können. Weitere 337 sollten ihre nordkoreanischen Familienmitglieder von Freitag bis Sonntag sehen dürfen. Laut offizieller Schätzung gibt es bis zu 700.000 Südkoreaner mit direkten oder entfernten Verwandten in Nordkorea.

Das Wiedersehen der Angehörigen nach jahrzehntelanger Trennung verläuft in der Regel sehr emotional. Seit 2000 kam es zu 20 Zusammenführungen, zuletzt vor drei Jahren. Fast 20.000 Menschen haben insgesamt daran teilgenommen. 3700 weitere sahen sich von 2005 bis 2007 über Videotelefonie. Niemand traf seine Verwandtschaft ein zweites Mal.

Seit Monaten arbeiten Süd- und Nordkorea an der Verbesserung ihrer diplomatischen Beziehungen im Atomkonflikt. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae In hatten eine Wiederaufnahme der Familienzusammenführungen beim ersten ihrer bislang zwei Gipfeltreffen im April vereinbart. Südkoreanische Forderungen nach häufigeren Zusammenführungen mit mehr Teilnehmern lehnte Pjöngjang aber ab.

Während Südkorea eine Art Lotterie nutzt, um Teilnehmer für die Zusammenführungen zu bestimmen, sollen jene in Nordkorea auf Grundlage ihrer Loyalität zur kommunistischen Führung ausgewählt werden. Mehr als 75.000 der 132.000 Südkoreaner, die sich um eine Teilnahme beworben haben, sind nach Angaben aus Seoul inzwischen gestorben.

Der Koreakrieg endete mit einer Waffenruhe. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht, beide Staaten befinden sich de facto noch immer im Kriegszustand.

(mba/dpa)