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Nach Gipfel in Hanoi
Nordkorea erwägt neue Atomtests und Ende der Verhandlungen mit USA

 Kim Jong Un und Donald Trump während des Gipfels in Hanoi.
Kim Jong Un und Donald Trump während des Gipfels in Hanoi. FOTO: AP / Evan Vucci
Eine Teilnehmerin des Gipfels von Trump und Kim plaudert aus dem Nähkästchen: Pompeo und Bolton hätten mit unnachgiebigen Forderungen die Atmosphäre vergiftet. Der US-Sicherheitsberater weist das prompt zurück.

Nordkorea hat mit einer Wiederaufnahme von Atom- und Raketentests und einem Abbruch der Abrüstungsverhandlungen mit den USA gedroht. Staatschef Kim Jong Un werde bald entscheiden, ob er die Gespräche mit den USA und das Moratorium für Raketenstarts und Atomtests aufrecht erhalten werde, sagte die stellvertretende Außenministerin Choe Son Hui am Freitag in Pjöngjang.


Über das Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump sagte sie: „Es ist klar, dass die USA dieses Mal eine goldene Gelegenheit weggeworfen haben.“ Besonders kritisierte Choe die „exzentrische“ Verhandlungsposition der USA, die Kim sehr überrascht habe.

Sie deutete an, US-Außenminister Mike Pompeo und der nationale Sicherheitsberater John Bolton hätten mit unnachgiebigen Forderungen eine feindselige und von Misstrauen geprägte Atmosphäre geschaffen. Trump selbst sei gesprächsbereiter gewesen. Aussagen ranghoher Berater Trumps hätten das Klima seither weiter verschlechtert.



Bolton wies die Vorwürfe prompt als „unzutreffend“ zurück. Er habe mit seinem südkoreanischen Amtskollegen über die Anschuldigungen aus Pjöngjang gesprochen.

Indes betonte Choe, Nordkorea habe nicht die Absicht, einzuknicken oder die Gespräche fortzusetzen, es sei denn, die USA ergriffen Maßnahmen, die den Änderungen in Nordkorea entsprächen - wie der seit 15 Monaten bestehende Unterbrechung der Tests. Die USA sollten ihr „politisches Kalkül“ ändern. Nordkorea sei sehr enttäuscht darüber, dass bei dem Gipfel in Hanoi Ende Februar keine Vereinbarungen erzielt worden seien, sagte sie bei einem Treffen mit ausländischen Diplomaten und Medienvertretern.

Die Beziehungen zwischen Trump und Kim seien gleichwohl weiter gut. „Die Chemie ist mysteriöserweise wundervoll“, sagte sie. „Aus welchem Grund müssen wir diese Zugfahrt erneut machen?“, fragte Kim laut Choe auf der Rückreise nach Nordkorea. Sie warnte: „Ich möchte klar stellen, dass die gangsterartige Haltung der USA die Lage irgendwann in Gefahr bringen wird.“

US-Außenminister Mike Pompeo zeigte sich trotz scharfer Töne aus Nordkorea optimistisch, dass die Atomverhandlungen mit dem isolierten Land fortgesetzt werden können. Er bleibe zuversichtlich, dass die US-Regierung die Gespräche mit Nordkorea fortsetzen könne, sagte Pompeo am Freitag. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un habe versprochen, die Atomtests nicht wieder aufzunehmen. Die USA erwarteten, dass Kim dieser Verpflichtung nachkomme.

(zim/dpa)