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Flucht vor Bürgerkrieg
Jeder zehnte Venezuelaner hat sein Land verlassen

 Flüchtende Venezuelaner an der Grenze zu Kolumbien (Archivbild).
Flüchtende Venezuelaner an der Grenze zu Kolumbien (Archivbild). FOTO: REUTERS / MARCO BELLO
Der Internationalen Organisation für Migration zufolge hat die Krise in Venezuela die größte Massenflucht in der jüngsten Geschichte Südamerikas ausgelöst. Mehr als zehn Prozent der Bevölkerung haben das Land bereits verlassen.

Derzeit verließen jeden Tag geschätzt 5000 Venezolaner ihre Heimat, sagte ein IOM-Sprecher am Freitag in Genf. Bislang hätten 3,4 Millionen der etwa 32 Millionen Venezolaner das Land verlassen. 1,1 Millionen davon seien im Nachbarland Kolumbien untergekommen. Insgesamt lebten mehr als zwei Drittel der Geflüchteten in Südamerika, noch einmal jeder Zehnte sei in Karibikstaaten aufgenommen worden.


Die mit Abstand meisten Venezolaner überquerten die Grenzen zu Fuß, was in der Region die Bezeichnung „los caminantes“, die Fußgänger, geprägt habe. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR verteilt Flüchtlinge aus dem entlegenen Norden Brasiliens nahe der Grenze zu Venezuela in andere Teile des Landes. Bisher hätten 5.000 Venezolaner dank des internen Umsiedlungsprogramms eine neue Heimat gefunden, sagte ein UNHCR-Sprecher am Freitag in Genf. An der Initiative, die seit April 2018 läuft, seien mittlerweile mehr als 50 brasilianische Städte beteiligt. Damit reagieren die UN auf Kritik von Bewohnern in der armen Grenzregion, die sich mit der Versorgung der Flüchtlinge überfordert gesehen hatten.

In Venezuela tobt seit Monaten ein heftiger politischer Machtkampf. Der umstrittene Präsident Nicolás Maduro hatte im Januar seine zweite Amtszeit angetreten, obwohl seine Wahl im Mai 2018 nach weit verbreiteter Einschätzung weder frei noch fair war. Parlamentspräsident Juan Guaidó erklärte sich daraufhin am 23. Januar zum Übergangspräsidenten, der von den USA und weiteren westlichen Ländern anerkannt wurde. Maduro kann dagegen unter anderen auf die Unterstützung von Russland, China, der Türkei und Kuba zählen.



Der IOM zufolge haben lateinamerikanische Länder den Flüchtlingen 1,3 Millionen Aufenthaltsberechtigungen ausgestellt. Neben Kolumbien gehören zu den wichtigsten Aufnahmeländern Peru (506.000 Venezolaner), Chile (288.000), Ecuador (221.000), Argentinien (130.000) und Brasilien (96.000). Auch Mexiko, mehrere Staaten Mittelamerikas und der Karibik haben venezolanische Flüchtlinge aufgenommen.

(epd)