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Kommentar zur Reise der Kanzlerin
Deutsche Interessen im Kaukasus

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mamuka Bachtadse, Ministerpräsident von Georgien, schütteln sich die Hände.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mamuka Bachtadse, Ministerpräsident von Georgien, schütteln sich die Hände. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Meinung Warum reist die Kanzlerin in das Kaukasus-Gebiet? Weil es auch dort um europäische und deutsche Interessen geht, meint unsere Kommentatorin. Von Eva Quadbeck

In einer komplizierter werdenden Welt, in der es keine großen monolithischen Machtblöcke mehr gibt, bedarf es mehr Gesprächspartner. Da muss sich eine deutsche Regierungschefin die Mühe machen, den Kaukasus zu bereisen. Obwohl die Länder der ehemaligen Sowjetrepublik weit weg sind: Auch dort geht es um europäische und deutsche Interessen.


Mit ihrem Besuch fördert Merkel die Eigenständigkeit von Georgien, Armenien und Aserbaidschan gegenüber dem in dieser Region immer noch übermächtigen und einflussreichen Russland. Und wenn nicht deutsche Wirtschaftsdelegationen die Chancen für Investitionen, Kooperationen und Geschäfte ausloten, dann kommen halt die Chinesen. Das geht schnell.



Die Kaukasus-Länder symbolisieren, wie mächtig Russland als frühere Schutzmacht noch ist und legen auch offen, wie der russische Präsident Putin mit harter Hand und vielen kleinen Verstößen gegen internationales Völkerrecht das frühere Sowjetreich zusammenhält. Die Ukraine ist längst nicht der einzige Fall.

Im Kaukasus geht es um machtpolitische Einflüsse. Es geht vor allem aber auch um die Menschen dort. Sie fühlen sich Europa zugehörig. Ihre Wirtschaftskraft aber liegt auf dem Niveau manch eines afrikanischen Landes. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Der Flüchtlingszustrom Anfang 2017 war dann nur ein Vorgeschmack auf das, was kommen kann, wenn die Lebensverhältnisse dort nicht besser werden. Ein großes Hemmnis für die Wohlstandsentwicklung sind die vielen territorrialen Konflikte, durch die sich die Länder gegenseitig in Schach halten. Sie unterdrücken freien Handel und den Austausch von Ideen. Ohne Frieden ist kein Wohlstand zu schaffen.