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Internationale Anteilnahme
US-Senator John McCain ist tot

John McCain bei einer Rede im US-Wahlkampf 2008.
John McCain bei einer Rede im US-Wahlkampf 2008. FOTO: AP / Gerald Herbert
Der einflussreiche US-Republikaner John McCain ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 81 Jahren an einer Krebserkrankung. Mehr als drei Jahrzehnte saß McCain im Senat und kämpfte für seine Ideale. Nun ist die Trauer über seinen Tod groß.

Wie das Büro von McCain mitteilte, starb der Senator von Arizona am Samstag (Ortszeit) im Kreise seiner Familie. Er wurde 81 Jahre alt. McCain hatte an einem bösartigen Hirntumor gelitten. Erst am Vortag hatte seine Familie mitgeteilt, dass er auf seine Behandlung fortan verzichte. „Der Fortschritt der Krankheit und die Unerbittlichkeit des Alterns fällen ihr Urteil“, hieß es in deren Erklärung.


Der Politiker hinterlässt seine Frau Cindy und sieben Kinder. „Mein Herz ist gebrochen“, schrieb Cindy McCain auf Twitter. „Er ist gegangen, wie er gelebt hat, zu seinen eigenen Bedingungen, umgeben von den Menschen, die er liebte, an dem Ort, den er am meisten liebte.“



McCain war einer der prominentesten Kritiker von Trump innerhalb der Republikanischen Partei. 2017 hatte er gegen einen republikanischen Gegenentwurf zur Krankenversicherungssystem von Trumps Vorgänger Barack Obama votiert, indem er im Plenum einfach seinen Daumen senkte - und das geplante Gesetz so zu Fall brachte. Die dramatische Szene galt als Symbol für die Standhaftigkeit McCains, der zeit seines Politikerlebens einen Nimbus als Querdenker hatte. Bis zuletzt beschwerte sich Trump in Wahlkampfreden oft über McCains Aktion im Senat, indem er dessen Daumen-Geste imitierte.

Schon damals war bekannt, dass McCain an einem Glioblastom erkrankt ist, einer Krebsart, an der auch schon der demokratische Senator Robert Kennedy 2009 gestorben war. McCain sagte damals, er habe manchmal „Angst davor, was passiert“. Doch auch Kennedy habe trotz seiner Krebsdiagnose weitergearbeitet und niemals aufgegeben. Er selbst trete dem, was komme, mit Dankbarkeit dafür entgegen, „ein großartiges Leben“ gehabt zu haben, sagte McCain damals.

Trump kondolierte den Angehörigen. „Mein tiefstes Mitgefühl und Respekt gehen an die Familie von Senator John McCain“, schrieb er kurz nach Bekanntwerden des Todes auf Twitter. „Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!“, fügte er hinzu. Eine weitere Würdigung McCains folgte zunächst nicht.

Die Nachricht vom Tode des Senators löste über Parteigrenzen hinweg Bestürzung aus. Ex-Präsident Barack Obama zollte McCain seinen Respekt: „Wenige von uns wurden so herausgefordert, wie John es einst wurde, oder mussten den Mut zeigen, den er gezeigt hat“, hieß es in einer Erklärung des Demokraten. Man stehe in McCains Schuld. Obama und der Republikaner waren bei der Präsidentschaftswahl 2008 gegeneinander angetreten. Obama gewann.

Der republikanische Ex-Präsident George W. Bush würdigte McCain als „Patrioten höchsten Ranges“. Der Mehrheitsführer der Konservativen im Senat, Mitch McConnell, sprach von einem „traurigen Tag“ für die USA. McCains Freund und Parteikollege Lindsey Graham schrieb auf Twitter: „Amerika und die Freiheit haben einen ihrer größten Verfechter verloren. ...Und ich habe einen meiner liebsten Freunde und einen Mentor verloren“.

Der demokratische Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, kündigte an, eine Resolution in die Kammer einbringen zu wollen, mit der ein Gebäude des Senats nach McCain benannt werden solle. Der Verstorbene sei ein „großartiger Mensch“ gewesen. McCain habe nie Angst davor gehabt, gegenüber den Mächtigen die Wahrheit aussprechen. Das sei selten geworden.

McCain stammt aus einer Offiziersfamilie und geriet im Vietnamkrieg in Gefangenschaft, als sein Kampfjet 1967 abgeschossen wurde. Da er während seiner über fünf Jahre langen Kriegsgefangenschaft gefoltert wurde, hat er sich immer wieder gegen Folter ausgesprochen.

Seit 1986 vertrat er Arizona im Senat und machte sich als Politiker einen Namen, der eher seinen Überzeugungen als der Parteilinie folgte. Zwei Mal bewarb er sich um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner. 2008 gewann er die Vorwahlen, verlor aber mit seiner damaligen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin bei der Wahl selbst gegen Obama. Dieser fand in einer Stellungnahme bewegende Worte über seinen früheren Kontrahenten.

Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten hätten sie eine „Treue zu etwas Höherem“ geteilt - „die Ideale, für die Generationen von Amerikanern und Einwanderern gleichermaßen kämpften, marschierten und Opfer gaben“, erklärte Obama. McCain und er hätten „unsere politischen Schlachten sogar als ein Privileg betrachtet, etwas Nobles, eine Gelegenheit, in der Heimat als Hüter jener hohen Ideale zu dienen, und sie in der Welt voranzutreiben“.

Nach dem Sieg der Republikaner bei den Zwischenwahlen vor vier Jahren wurde McCain Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Senat, wo er sich für militärische Stärke, Interventionen und den Kampf gegen den radialen Islam einsetzte, der die USA zerstören wolle.

Trump, der um einen Vietnameinsatz herumgekommen war, profilierte sich im Wahlkampf 2016 mit der Bemerkung, für ihn sei McCain kein Held, weil dieser sich habe gefangen nehmen lassen. Als der Präsident vergangene Woche ein nach McCain benanntes Militärausgabengesetz unterschrieb, erwähnte er den Namen des Senators nicht einmal. McCain wiederum kritisierte Trumps Gipfeltreffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin und sagte, Trump habe „Naivität, Egoismus und Sympathie für Autokraten“ gezeigt.

Mit dem Tod von McCain sinkt die Mehrheit der Republikaner im Senat vorübergehend auf 50 Sitze, die Demokraten kommen auf 49 in der 100-köpfigen Kammer. Doch es wird erwartet, dass Arizonas republikanischer Gouverneur Doug Ducey einen Nachfolger aus der eigenen Partei bestimmt, der das bis 2020 laufende Mandat übernimmt. Den Republikanern könnte das bei Abstimmungen helfen, denn McCain war in diesem Jahr stets zu krank, um seine Stimme abzugeben.

(hebu/AP/dpa/rtr)