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US-Präsident in Bedrängnis
Juristischer Doppelschlag gegen Trump

Juli 2016: Als Kandidat der Republikaner wird Donald Trump (l.) stets von seinem Wahlkampfmanager Paul Manafort begleitet.
Juli 2016: Als Kandidat der Republikaner wird Donald Trump (l.) stets von seinem Wahlkampfmanager Paul Manafort begleitet. FOTO: REUTERS / Rick Wilking
Für den US-Präsidenten wird es eng: Eine Jury spricht Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort schuldig. Ex-Anwalt Michael Cohen stellt sich selbst. Von Frank Herrmann

Um Donald Trump zu schützen, würde er sogar eine Kugel abfangen, hat Michael Cohen einmal gesagt. Von den Treueschwüren ist nichts übrig geblieben. Mit einem in seiner Eindeutigkeit überraschenden Schuldbekenntnis lässt Cohen, Trumps langjähriger Anwalt, einen Paukenschlag dröhnen. Den US-Präsidenten stürzt der Geständige damit in dessen bislang schwerste Krise, zumal es ein juristischer Doppelschlag ist, den Trump verdauen muss. Während Cohen in New York Farbe bekannte, befand eine Geschworenenjury in Virginia Trumps einstigen Wahlkampfmanager Paul Manafort in wesentlichen Punkten für schuldig.


Vor einem Bundesrichter in Manhattan räumte Cohen ein, zwei Frauen mit jeweils sechsstelligen Summen abgefunden zu haben, um kurz vor der Wahl 2016 ihr Schweigen zu erkaufen. Die eine, Stephanie Clifford alias Stormy Daniels, Pornodarstellerin, war drauf und dran, über eine Affäre mit Trump zu plaudern. Was dessen rechte Hand elf Tage vor dem Votum durch die Zahlung von 130.000 Dollar zu verhindern wusste. Der anderen, dem Playboy-Model Karen McDougal, bot das Boulevardblatt „National Enquirer“ an, ihre Story zu kaufen. McDougal kassierte 150.000 Dollar, während der Verleger der Zeitung, ein Trump-Freund namens David Pecker, dafür sorgte, dass die Geschichte nie erschien. Später war es Cohen, der Pecker das „Honorar“ erstattete.

Als das mit den Schweigegeldern vor Monaten durchsickerte, stritt Trump zunächst ab, davon auch nur gewusst zu haben, geschweige denn, von sich aus aktiv geworden zu sein. Umso mehr gerät er nun in Bedrängnis, da sein einstiger Rechtsberater keine Zweifel daran lässt, von wem die Idee stammte. Er habe „auf Anweisung eines Kandidaten für ein Bundesamt“ gehandelt, erklärte Cohen am Dienstagabend vor Gericht, nachdem er die Hand zum Eid erhoben hatte.



Er habe es getan, um die Wahl zu beeinflussen. Falls es noch Zweifel gegeben haben sollte, welchen Kandidaten er meinte, so räumte sein Anwalt Lanny Davis sie umgehend aus. Sein Mandant, so Davis, habe eingeräumt, eine Straftat begangen zu haben, um Einfluss auf eine Wahl zu nehmen. „Wenn diese Zahlungen ein Verbrechen für Michael Cohen waren, wieso sind sie dann kein Verbrechen für Donald Trump?“

Welche Strafe Cohen erwartet, wird sich Mitte Dezember entscheiden. Die zuständige Staatsanwaltschaft beantragt zwischen 46 und 63 Monaten Gefängnis, eine vergleichsweise milde Strafe, die das Schuldeingeständnis in Rechnung stellt. Und dass „Trumps Pitbull“, wie sich der Reuige einst nannte, auf Distanz zu seinem ehemaligen Auftraggeber geht, machte er schon vor geraumer Zeit klar. Er habe beschlossen, seine Familie und sein Land an die erste Stelle zu rücken, nicht die Loyalität zu Donald Trump, hatte er bereits im April betont, als sein Büro durchsucht wurde und er sich im Rampenlicht wiederfand.

Für den Präsidenten ist es eine gefährliche Rutschbahn, denn Cohen könnte sich nunmehr entschließen, auch mit Robert Mueller, dem Sonderermittler der Russlandaffäre, zu kooperieren. Noch scheint nicht restlos geklärt, ob er es tut. Sein Verteidiger indes hat bereits die Weichen gestellt. Sein Mandant sei bereit, alles offenzulegen, was er über Trump wisse, deutete Davis bei einem Auftritt im Fernsehsender MSNBC an. Er wisse zum Beispiel, ob Trump vorab im Bilde gewesen sei, als Computer-Hacker die Parteizentrale der Demokraten attackierten, um Hillary Clinton zu schaden. Fortan werde man einen Michael Cohen erleben, der von sämtlichen Fesseln befreit sei und die volle Wahrheit sagen werden, ohne Angst vor der Macht, kündigte Davis an.

Trump kann in der Causa Cohen den Spieß nicht einfach umdrehen, dem politischen Gegner eine Hexenjagd unterstellen und Mueller zu dessen Marionette erklären, wie er es üblicherweise tut. Das Schweigegeld für Clifford und McDougal hat nichts mit Mueller zu tun, das New Yorker Gericht, vor dem der Fall verhandelt wird, nichts mit der „Russia Connection“. Ergo bleibt Trump nur, Cohen zum Lügner zu stempeln. Eine Verteidigungsstrategie, der er schon am Morgen nach dem Schock mit einem aggressiven Tweet folgte. Der Mann habe Geschichten erfunden, um einen Deal zu bekommen, twitterte er. „Falls jemand einen guten Anwalt sucht, würde ich dringend empfehlen, sich nicht der Dienste Cohens zu bedienen.“

Jedenfalls lässt das Schuldbekenntnis des Ex-Vertrauten fast zur Fußnote werden, was eine Jury zur gleichen Zeit im Falle Paul Manaforts entschied. Am Ende einer Verhandlung, bei der es im Kern um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe ging, befand sie Trumps ehemaligen Wahlkampfstrategen in acht von 18 Anklagepunkten für schuldig. Der Richter, polterte Trump via Twitter, habe sich einen zwölf Jahre alten Steuerfall vorgenommen, um enormen Druck auszuüben. Anders als Cohen, schob er hinterher, habe sich Manafort indes nicht „brechen“ lassen: „So viel Respekt für einen tapferen Mann!“

Michael Cohen verlässt am Dienstag das Gericht in New York.
Michael Cohen verlässt am Dienstag das Gericht in New York. FOTO: AP / Mary Altaffer