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Schweineblut und Schüsse in Pulli
Babtschenko schildert Ablauf von Täuschungsmanöver

Jetzt plaudert Arkadi Babtschenko aus dem Nähkästchen: Schweineblut und ein Transport in die Leichenhalle waren Teil des aufwendig vorgetäuschten Mordes an dem Journalisten.

Der für die Vortäuschung seines eigenen Tods bekannt gewordene russische Journalist Arkadi Babtschenko hat Details zu dem Täuschungsmanöver preisgegeben. Der Trick habe beinhaltet, mit Schweineblut beschmiert zu werden und in die Leichenhalle gebracht zu werden, sagte Babtschenko am Donnerstag. Die ukrainischen Behörden hatten am Mittwoch enthüllt, sie hätten vorgetäuscht, dass der Kremlkritiker Babtschenko erschossen worden sei. So sollte ein mutmaßliches Mordkomplott durch russische Sicherheitsdienste durchkreuzt werden.


Er hätte sich weigern können, bei dem Täuschungsmanöver mitzumachen, als ukrainische Behördenvertreter vor etwa einem Monat mit der Idee an ihn herangetreten seien, sagte Babtschenko in Kiew. Er habe aber gleich eingewilligt. Die ukrainischen Agenten hätten ihm gesagt, dass die russischen Sicherheitsdienste seinen Mord einen Monat zuvor angeordnet hätten. „Ich sagte: "Großartig, warum haben Sie einen Monat gewartet?"“, berichtete er am Donnerstag.

40.000 Dollar Kopfgeld

Babtschenko war im Februar 2017 aus Russland geflohen. Er ließ sich im Herbst in Kiew nieder und arbeitete als Moderator für einen Fernsehsender.

Die Polizei von Kiew berichtete am Dienstag, dass Babtschenko in seinem Wohngebäude erschossen und dort von seiner Frau entdeckt worden sei. Die Polizei teilte mit, er sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Am Mittwoch enthüllte der Chef des ukrainischen Geheimdiensts, Wassili Grizak, dass Babtschenko am Leben sei und lud ihn in den Raum ein. Babtschenko sagte, sogar seine Frau habe geglaubt, dass er tot sei.



Grizak sagte, ein ukrainischer Staatsbürger, der 40.000 Dollar vom russischen Geheimdienst erhalten habe, um das Attentat auf Babtschenko umzusetzen, sei festgenommen worden.

Babtschenko beschrieb am Donnerstag, was getan worden sei, um den vorgetäuschten Mord echt aussehen zu lassen. Die Sicherheitsbeamten hätten seinen Pullover mit einer Schusswaffe durchlöchert. Er habe das Oberteil angezogen und sei mit Schweineblut beschmiert worden. Er sei in einem Rettungswagen zur Intensivstation eines Krankenhauses gebracht worden, wo sein Tod „offiziell“ festgehalten worden sei. Danach sei er in einer Leichenhalle gelandet.

Er habe die ganze Zeit Angst gehabt, dass die Operation scheitern würde. „Ich habe erst in der Leichenhalle aufgehört, Angst zu haben“, sagte Babtschenko.

(felt/dpa)