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Zweibrückerin sitzt wegen Corona in Marokko fest

Gestrandet in Marokko : „Ein Schock nach dem anderen“

Wie ein Urlaub für eine Zweibrücker Bürgerin und ihren Mann zur zehnwöchigen Zwangsquarantäne wurde.

Am 12. März saß Laila Dawo aus Zweibrücken noch sorglos mit ihrem Mann im Flugzeug. Sie waren gemeinsam auf einer gebuchten Pauschalreise nach Marokko, dem Land, in dem sie geboren und aufgewachsen ist. Vor ihnen sollten zwei unbeschwerte Urlaubswochen in einem kleinen Hotel in Essaouiri in der Nähe von Marrakesch liegen. „Corona-Fälle waren bis dahin nur aus China bekannt, Reisewarnungen gab es noch nicht“, sagt Laila am Telefon, denn seit der Rückkehr am 19. Mai, zehn Wochen später als geplant, befindet sich die Familie auch in Zweibrücken in Quarantäne.

An dem Tag, an dem sie in Marokko ankommen, erklärt die Weltgesundheitsorganisation WHO den weltweiten Gesundheitsnotstand und die entsprechende Reisewarnung. „Ab da saßen wir fest, Marokko schließt am 20. März die Grenzen und erlässt eine strenge Ausgangssperre.“ Nach nur drei Tagen mussten sie das Hotel verlassen und es begann die verzweifelte Suche nach einer Möglichkeit, so schnell wie möglich nach Deutschland zurück zu kommen.

„Wir fuhren zuerst nach Marrakesch, wo wir zum Glück bei meiner Schwester unterkommen konnten. Immer nur eine Person aus der Familie durfte täglich mit einer Sondergenehmigung das Haus verlassen. Vom Reiseveranstalter gab es keine Informationen zu einem Rückflug und wir wussten nicht, wie es weitergeht.“ Auch die Rückholaktion der Bundesregierung scheiterte für die beiden, denn die irgendwann mitgeteilten Plätze für eine mögliche Rückreise waren unerreichbar, weil in einer anderen Stadt und eh zu kurzfristig. „Zweimal hatten wir Tickets für Flüge, die alle verfielen und storniert wurden.“

Nach zehn langen Wochen wurde ihnen von der Botschaft ein Flug für den 15. Mai mit organisierten Bussen zum Flughafen zugewiesen, als kurz zuvor die Nachricht kam, dass sie weitere vier Tage warten mussten. „Wir waren einem Nervenzusammenbruch sehr, sehr nahe. Zudem war der Rückhol-Geldtopf der Bundesregierung bereits am 24. April ausgeschöpft und wir mussten alles selbst bezahlen, was uns insgesamt eine Menge Geld kostete. Es war dann ein unglaubliches Glücksgefühl auf dem Weg zurück in meine seit vielen Jahren neue Heimat zu sein!“

Laila Dawo, mit Mädchennamen Koraibat, ist in einer „einfachen Familie“ – wie sie sagt – in Casablanca mit fünf Geschwistern aufgewachsen und hat die Schule bis zum Abschluss besucht. Zwei Jahre Hotelfachschule in Marrakesch schlossen sich an. „Damals, es war 1997, gab es zwischen Marokko und Deutschland einen Vertrag zum Absolvieren eines dreimonatigen Praktikums in Deutschland und so führte mich der Weg ins Schlossberg-Hotel in Homburg. Anschließend arbeitete ich in der Gastronomie, heiratete und blieb. Nach einigen Jahren brauchte ich aus privaten Gründen Abstand und es hat mich nach Zweibrücken gezogen „Die Stadt hatte mir schon immer gut gefallen, der Rosengarten, das Gestüt, die schönen Spaziergänge hier. Ich heiratete einen Zweibrücker und seit 14 Jahren lebe ich hier“.

Die 45-Jährige besitzt inzwischen die doppelte Staatsbürgerschaft. Eine neue Arbeitsstelle kam auch hinzu, wieder in Homburg in der Uniklinik, zuerst im Servicebereich, dann der Wechsel in den Patientenservice. „Hier kümmere ich mich um die Menschen, hier bin ich glücklich, mit tollen Kollegen und Vorgesetzen, die sich auch während meiner Zwangspause in Marokko ganz lieb um mich gekümmert haben. An alle für alles einen ganz tollen Dank für die Unterstützung“.

„Mein Mann und ich sind echte Reisefreaks, wir hatten bereits den nächsten Urlaub gebucht, doch nach diesem Corona-Erlebnis bleiben wir länger zu Hause, auch weil sämtliche Urlaubstage weg sind und viele unbezahlte hinzu gekommen sind. Es ist schön, nach unserer häuslichen Quarantäne im schönen Zweibrücken spazieren gehen zu können.“