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Zweibrückerin Ruth Reimertshofer ist verstorben

Vorsitzende des „Patennetz Flüchtlinge und Integration“ ist verstorben : Trauer um Ruth Reimertshofer

Vorsitzende des Zweibrücker „Patennetz Flüchtlinge und Integration“ ist verstorben.

Am 2. Oktober ist die Merkur-Mitarbeiterin Ruth Reimertshofer nach langer Krankheit verstorben. Eckart Emrich, ihr langjähriger Vorstandskollege beim Verein „Patennetz Flüchtlinge und Integration“, hat einen Nachruf geschrieben, den wir in Auszügen abdrucken möchten:

Als die Flüchtlingswelle 2015 Zweibrücken vor große Herausforderungen stellte, wurden auf dem Zweibrücker Flugplatz durch DRK und ASB zwei Notaufnahmelager eingerichtet. Viele Zweibrücker boten ihre Hilfe an und es galt, die Geflüchteten vom Flugplatz in die Stadt und umliegende Gemeinden zu bringen.

Hier übernahm die damals 66-jährige Ruth Reimertshofer eine zentrale Rolle. Als zweite Vorsitzende des Ausländerbeirats schlug sie erfolgreich den Aufbau eines „Patenschaftsnetzwerks“ vor, um ehrenamtliche Helfer mit geflüchteten Familien und Einzelpersonen in Kontakt zu bringen. Die ersten Treffen dieses Netzwerks, von ihr weitgehend im Alleingang moderiert, füllten den städtischen Ratssaal! (...) Erste Hilfeangebote zum Deutschlernen entstanden, zum Beispiel bei der Stadtmission. Und „Frau Ruth“, wie sie bald genannt wurde, baute als studierte Soziologin und Journalistin weitere Brücken, indem sie zahlreiche Geflüchtete zu ihren Fluchterfahrungen interviewte und das Gehörte zu Artikeln verarbeitete, die im Pfälzischen Merkur unter der Rubrik „Angekommen in der Fremde“ erschienen. Insgesamt verfasste sie über 40 solcher Artikel. (...)

Bei allem Idealismus der Freiwilligen zeigte sich aber bald, dass für die Arbeit auch Geld gebraucht wurde. Um über Spendeneingänge und Ausgaben korrekt Rechenschaft geben zu können, wurde am 29. November 2016 ein Förderverein mit dem Namen „Patennetz Flüchtlinge und Integration e.V.“ gegründet – mit Ruth Reimertshofer als Vorsitzender. Unter den 29 Gründungsmitgliedern waren auch neun Geflüchtete.

Über diesen Verein organisierte sie wichtige Informationsveranstaltungen – mit einem Kinderarzt, einer Frauenärztin, über die Themen Sozialhilfe und Jobcenter sowie über interkulturelle Kommunikation. Ein Highlight war 2018 ein Familiennachmittag im Rosengarten, wo Kinder und Eltern einen „Zauberer“ erleben konnten; und am 1. Mai 2019 eine Exkursion per Bahn nach Pirmasens ins Dynamikum; danach ging‘s ins nahe Strecktal zum mitgebrachten Imbiss – eine unvergessliche Gelegenheit zu vielfältigen Begegnungen.

Ein weiteres, ganz wichtiges Aktionsfeld war die Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache. Ruth Reimertshofer war in engem Kontakt mit der Volkshochschule, wo staatlich finanzierte Sprachkurse angeboten wurden. (...)

Zugleich regte sie auch schon den Blick auf berufliche Integration an. Im April 2018 fand im Ratssaal ein Runder Tisch „Arbeits- und Ausbildungsvermittlung“ statt, wo Vertreter von Handwerk und Handel neben hauptamtlichen Beratern von Diakonie, Caritas und DRK ins Gespräch mit interessierten Geflüchteten kamen.

Parallel förderte sie auch die Integration, vor allem junger Männer, in Sportvereine. Die VB Zweibrücken war hier besonders kooperativ. (...)

Im November 2019 fand in der VHS ein Abend „Kulturelle Vielfalt – Bilanz nach fünf Jahren“ statt mit Vertretern von Schulen, Arbeitsvermittlung, Ausländerbehörde und der Polizei. Diese Bilanz fiel positiv aus, was auch eine Bestätigung der Integrationsarbeit bedeutete, die bis dahin wesentlich durch Ruth Reimertshofer und „ihren“ Verein geleistet worden war. (...)

So außerordentlich das Engagement der Vereinsvorsitzenden durch die Jahre war, so bitter war dann ihr Weg durch die zunehmend schwere Krankheit. Ruth Reimertshofer musste deshalb die Vereinsarbeit aus der Hand geben. Als sie nicht mehr sprechen konnte, war einen Tag vor ihrem Tod eine stumme „Zwiesprache“ über die Augen mit ihrem jüngsten Enkelbaby noch ihre große Beglückung. Zeitpunkt und Ort der Urnenbeisetzung werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Es besteht die Möglichkeit, dass der Verein „Patennetz Flüchtlinge und Integration“ unter neuer Leitung weiter bestehen kann. Eine Mitgliederversammlung am Freitag, 12. November, wird darüber entscheiden.