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Acht neue Kräfte geschult: Zweibrücker Stadtführungen werden mehrsprachig

Acht neue Kräfte geschult : Zweibrücker Stadtführungen werden mehrsprachig

Kulturamt begrüßt acht Absolventen der jüngsten VHS-Ausbildung. Jeder soll pro Jahr fünf bis zehn Touren übernehmen.

Mit unterhaltsamen Stadtführungen lockt Zweibrücken schon seit Jahren über 2000 Touristen jährlich aus der Region an. Immer wieder sind auch Gäste darunter, die nicht oder nur schlecht deutsch sprechen. Jetzt ist Abhilfe in Sicht. Die jüngste Stadtführerschulung von Kulturamt und Zweibrücker Volkshochschule hat nämlich auch zwei Reiseführer hervorgebracht, die auf Englisch und Spanisch erklären können, was es mit der Geschichte des Schlosses auf sich hat, wie Polenkönig Stanislaus Leszczynski die Parkanlage Tschifflick anlegte oder hier 1839 die industrielle Revolution durch den Betrieb der ersten Dampfmaschine begann.

Der frühere Helmholtz-Lehrer Werner Richter etwa stellt sich darauf ein, vor allem spanischsprachige Austauschstudenten der Zweibrücker Hochschule durch die City zu führen. Um solche Fremdsprachenführungen habe der 69-jährige Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Contwig explizit gebeten. Über Spracherfahrung kann er wahrlich nicht klagen: Von 1978 bis 1985 war er Lehrer in Madrid, von 1999 bis 2007 leitete er in Guayaquil (Ecuador) die Deutsche Humboldt-Schule mit 2000 Schülern. Heute unterrichtet er Spanisch für Anfänger an der Zweibrücker Hochschule, bereitet etwa hiesige Studenten auf ihren Auslandsaufenthalt an der Partner-Uni in Santa Fe vor. „Mich fasziniert an der Stadtgeschichte etwa, welch tolle Bildungspolitik die Herzöge hier betrieben. Schon vor Jahrhunderten gab es hier unglaubliche Bücher, die es ermöglichen, die Stadtgeschichte von Mexiko-City nachzuverfolgen.“ Im „Schul- und Reise-Taschenwörterbuch der spanischen und deutschen Sprache“ 1839 taucht bereits „dos puentes“ auf – als offizielle spanische Übersetzung des Namens Zweibrücken.

Der 53-jährige Christian Diebold wird sich vor allem um die englischsprachigen Touristen kümmern – für ihn als Amerikaner ist das naheliegend. Seit 2014 ist der geschichtsinteressierte Sohn einer Deutschen in Zweibrücken: „Mich interessieren vor allem die Französische Revolution und die Freiheitsbewegung.“ Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg kämpfte das Zweibrücker Freiwilligenregiment „Royal Deux Ponts“ auf der Seite der „Rebellenstaaten“.

Doch von den beiden abgesehen, darf das Kulturamt sechs weitere Stadtführer in ihren Reihen begrüßen, wie die Zuständige Esther Budell-Hoffmann nach einer „Testführung“ mit einem Teil der Absolventen im Stadtmuseum gegenüber dem Merkur erklärt. Den 56-jährigen Michael Schubert etwa, der zwar seit 1988 in der Stadt wohnt, sich aber schmunzelnd noch als „Neubürger“ sieht. Ihn fasziniere an der mannigfaltigen Historie etwa die Herzogsvorstadt, das Gebäudeensemble am Herzogsplatz und die Tatsache, dass es durch die Zweibrücker Häuserlotterie finanziert wurde. Schubert: „Es ist interessant, wie oft der Mantel der Weltgeschichte Zweibrücken schon gestreift hat.“

Auch Rudi Gräff (69) sieht sich als „Zugereister“: Seit 1972 wohnt er in der Rosenstadt, für deren geschichtliche Entwicklung er sich sehr interessiert – etwa die Entwicklung der Demokratie oder die Kirchengeschichte. Gräff werde klassische Stadtführungen übernehmen, er habe aber auch seine „Fühler ausgestreckt für Technik“, sprich: die „Entdeckergeister“-Führung. Um inhaltlich für die Rundgänge fit zu bleiben, saugt er die Zweibrücker Historie im Internet oder in Büchern auf. „Man muss am Ball bleiben und üben“, so Gräff.

Die neuen Gästeführer können laut Budell-Hoffmann ab sofort loslegen, jeder übernehme etwa fünf bis zehn Touren jährlich, teils auch bei Messen, im Rahmen von Abendprogrammbegleitungen in der Fasanerie oder bei Fahrten über die Barockstraße. Insgesamt verfüge die Stadt nunmehr über 15, denn es schieden auch immer wieder einige Führer aus. Seit 2002 hat die Stadt vier Ausbildungen durchgeführt und dabei jeweils zwischen sechs und zehn Experten geschult. Wobei nicht jeder alle Touren bedienen kann oder will. Für die Kostümrundgänge mit der Kammerzofe etwa kommen nur Frauen in Frage. „Und auch nicht jede Stadtführerin ist bereit, ein Kostüm zu tragen“, so Budell-Hoffmann. Bei der jüngsten Ausbildung ging es von Herbst 2016 bis diesen Januar erst in zehn anderthalbstündigen, von Stadtmuseums-Leiterin Charlotte Glück präsentierten, Seminaren um Inhalte wie „die Stadt des Rechts“, „das barocke Zweibrücken“ oder „Religionsgeschichte“. Im Anschluss lehrte VHS-Chef Helmut Ertel, wie man Touristengruppen am besten und unterhaltsamsten das erworbene Wissen näherbringt. Jeder musste als Test über eines der Themen referieren, die per Losziehung verteilt wurden. „Es gab am Schluss lauter gute Noten“, sagt Budell-Hoffmann zufrieden.

Als Neuerung finden dieses Jahr an den Flohmarktterminen offene Stadtführungen statt, an denen man für fünf Euro unangemeldet teilnehmen kann.

Stadtführungen in Zweibrücken Foto: SZ/Astrid Müller

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