Senioren-Theater : Volles Haus und beste Unterhaltung

Die Zweibrücker Senioren-Theaterwerkstatt begei­sterte auch am neuen Spielort im Bonhoeffer Haus mit ihren Texten, Sketchen und Liedern. Ausdrucksstark in Wort und Gestik, beleuchteten sie humorvoll Alltags­themen.

Auch am neuen Auftrittsort freute sich die Senioren-Theaterwerkstatt Zweibrücken über ein volles Haus. Mehr als 60 Zuschauer wollten die Fortsetzung von „So spielt das Leben – immer noch“ im Bonhoeffer Haus sehen, darunter viele Fans. Zwischen den Sketchen begeisterte Anette Lang mit ihren Liedern von Hildegard Knef, die ihr auf den Leib geschneidert sind. Mit Sarkasmus, Witz, Sprachgewandheit und Humor beleuchtete das Quartett Inge Seebach, Gundi Schulz, Anette Lang und Günter Schneider zahllose, durchaus sozialkritische Alltagsthemen.

Die Hintergründe waren dabei vielfach durchaus ernster Natur, sodass manchem Zuschauer das Lachen auf den Lippen erstarb. So etwa in dem letzten Sketch „Kinderlieb“. Die frisch gebackene Oma freut sich, dass ihr 20-jähriger Sohn sie besuchen kommt. Als weder normale noch künstliche Befruchtung fruchteten, hatte sie sich ihren Kinderwunsch mit Hilfe einer Leihmutter erfüllt. „Das Großziehen war ganz einfach: Kita, Au-Pair-Mädchen, Ganztagsschule, Internat“, sagte die gestresste Kindererzieherin. „Wir haben ja nur gearbeitet, um alles zu finanzieren und hatten keine Zeit. Morgen sehe ich ihn zum ersten Mal.“ Auch die Schelte von Anette Lang und Günter Schneider auf das Doping der Sportler karikierte den Drogenkonsum im Alltag, von Kaffee und Alkohol über Vitaminpillen oder Energy-Drinks bis zu Ritalin und Viagra. „Da steh ich drauf“, verkündete Schneider unter Gelächter.

Die Erlebnisse von Privatpatient Herr Seebach beim Zahnarzt Dr. Schneider waren so witzig und überspitzt dargestellt, dass es hier fast Dauerlacher und manchen Szenenapplaus gab. Das Quartett überzeugte durchweg nicht nur mit seiner darstellerischen Leistung und der spürbaren Spielfreude, sondern auch mit gekonnten Improvisationen, wenn einmal etwas anders lief als geplant. Wie im richtigen Leben.

Theo Keller war „sehr angetan“ von dem breit gefächerten Repertoire, überraschenden Wendungen und dem Humor, mit dem die Theatergruppe auch viel Nachdenkliches präsentierte. So etwa in „Hartharzig“, wo die von der gemütlichen Mittagspause „gestresste“ Dame vom Amt dem Nikolaus, Hänsel und Gretel sowie der Mona Lisa aus fadenscheinigen Gründen (wie „Scheinselbstständigkeit, da der Nikolaus geschickt wird, jedoch keinen Arbeitgeber hat) nicht nur den Zahlungsanspruch verweigert. Sie sammelte sogar mühevoll Erspartes und „das letzte Hemd“ ein, um es dem reichen Daimlerchef zu übergeben.

Deutlich lustiger war die Geschichte der Textagentur mit dem endlos langen Namen „Die Firma, die Ihnen hilft, jeden Text kurz und knackig dabei inhaltsreich und doch verständlich zu gestalten“. Ein Bild unserer Zeit skizzierte klein Anna, die sich von Oma zeigen ließ, wie man mit einem Buch umgeht. Sie tippte und wischte, doch nichts geschah. „Oma, das ist ja voll cool“, rief sie begeistert, „das kann ich ja mit meinen eigenen Händen auf- und zumachen und umblättern, ohne zu scrollen!“ Panisch wurde sie erst, als sich das verkehrtherum gehaltene Buch nicht mehr öffnen ließ.

Szenenapplaus gab es für den Sketch im Bahnhofsrestaurant. Die Gerichte auf der Speisekarte gab es „täglich, außer Montag, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag und am Abend vor einem Feiertag“. Anstatt an Tisch 16, wurde das Schnitzel dann Tisch acht serviert und Ober Günter Schneider amüsierte sich köstlich: „Da müssen sie aber ganz schön rennen, wenn sie das Essen noch warm erwischen wollen.“

Anja Conrad, die bislang jede Vorstellung des Senioren-Theaters gesehen hat, war voller Hochachtung. „Ich finde beachtlich, was die vier Darsteller leisten.“ Ulrich Kopf, zuständig für das Seniorenbüro der Stadt, bedankte sich mit jeweils einer Flasche Sekt bei den Schauspielern und auch bei Gerhard Seebach als „der Guten Seele“ der Truppe. Diese würde sich sehr freuen, wenn noch mehr Menschen Lust auf Theaterspielen hätten.

Kontakt: Seniorenbüro Zweibrücken, Poststraße 40, Tel. (0 63 32) 87 15 31.