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Zweibrücker Gruppe von Fridays for Future will weniger Feuerwerk

Silvester-Feuerwerk : Fridays for Future fordert „Stadtfeuerwerk“ statt Massen-Böllerei

Zweibrücker Pyrotechniker Ralf Kohl sieht Schieflage bei Diskussion um Klimaschädlichkeit von Silvester-Feuerwerk und befürchtet Umsatzeinbußen.

Das traditionelle Silvesterfeuerwerk spaltet die Gemüter: Die einen freuen sich seit Wochen darauf, endlich Raketen und Böller in die Luft zu jagen, die anderen sorgen sich um Tiere oder wegen der Feinstaubbelastung und würden das Feuerwerk am liebsten abschaffen. So unterschiedlich wie die einzelnen Menschen mit dem Thema umgehen, so handhaben es auch die Kommunen. Während privates Feuerwerk die Stadt Mayen beispielsweise verboten hat, ist es in Zweibrücken weiter erlaubt.

Der Zweibrücker Pyrotechniker Ralf Kohl befürchtet aber schon durch die seiner Ansicht nach „negative“ bundesweite Diskussion der vergangenen Wochen diesmal mit Umsatzeinbußen. Er sieht das Thema falsch dargestellt, verweist hier auf die Argumente des VPI (Verbandes der pyrotechnischen Industrie). Demnach stimme sogar das Umweltbundesamt zu, dass die CO2-Emissionen aus Feuerwerkskörpern vernachlässigbar gering seien. So spreche die Behörde von 4200 Tonnen Feinstaub, die jährlich durch Feuerwerke entstehen würden. Das wären rund zwei Prozent der freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland. Die Zahl ergebe sich aus der Menge Feuerwerkskörper, die in Deutschland im Verkauf sind, und den Standardemissionen pro Tonne Pyrotechnik der Uno-Organisation UNECE (United Nations Economic Commission for Europe). Der VPI hält auch diesen Wert für viel zu hoch und hat den entstehenden Feinstaub beim Abbrennen von Feuerwerken nachgemessen: Der Verband kommt mit den Messergebnissen auf nur zehn statt 4200 Tonnen jährlich.

Das Umweltbundesamt (UBA) selbst allerdings macht auf seiner Homepage deutlich, dass es die erwähnten Feinstaub-Belastungszahlen durch Feuerwerke für alles andere als harmlos hält. So heißt es dort: „Die UBA-Broschüre Zum Jahreswechsel: Wenn die Luft „zum Schneiden“ ist zeigt anhand aktueller Auswertungen von Luftdaten, dass am ersten Tag des neuen Jahres die Luftbelastung mit gesundheitsgefährdendem Feinstaub vielerorts so hoch ist, wie sonst im ganzen Jahr nicht.“ Eine Karte zeige: „In der Silvesternacht steigt die Belastung mit gesundheitsschädlichem Feinstaub explosionsartig an.“

Die Zweibrücker Gruppe von Fridays for Future vertritt zwar die Meinung, dass man auf keinen Fall an einem solch traditionsreichen Fest wie Silvester ein solch festgefahrenes Ritual auf der ganzen Welt verbieten könne. Dennoch sei die Gruppe der Ansicht, dass man den privaten Gebrauch von Feuerwerken einschränken oder unterlassen sollte. Das bedeute den Verbot des öffentlichen Verkaufs. Die Alternative sei eine Art „Stadtfeuerwerk“. „Will heißen es gibt zentral in den Städten ein Feuerwerk für die Bevölkerung“, erklärt Sprecherin Jana Rendgen. So könne die Feinstaubbelastung deutlich reduziert werden. Dennoch müsse man in großen Städten darauf achten, dass diese „Stadtfeuerwerke” auch nicht exzessiv ausgenutzt werden und auch da auf den Umweltaspekt geachtet werde.