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Zweibrücker Altenheimen testen Mitarbeiter auf eine Corona-Infektion

Das Wichernhaus machte den Anfang : Mitarbeitertests in allen Altenheimen

Zweibrücker Pilotprojekt schon angelaufen. Durch freiwillige Mitarbeitertests sollen Bewohner besser geschützt werden.

In Senioren- und Pflegeheimen der Stadt werden Mitarbeiter jetzt systematisch und regelmäßig auf eine Corona-Infektion getestet. Zweibrücken initiierte dazu eine Pilotstudie, die Erkentnisse an Robert-Koch-Institut und Gesundheitsamt liefern soll. Durch die Testung der Mitarbeiter will die Stadt einen noch größeren Schutz für die besonders gefährdete Gruppe der Heimbewohner gewährleisten.

In Zweibrücken ist bisher kein Corona-Fall in einem Heim aufgetreten – in Pflegeeinrichtungen in anderen Städten leider schon. Zuletzt etwa im „Haus am Berg“ in Blieskastel, hier wurden mittlerweile sogar fünf Corona-Tote beklagt (wir berichteten).

Bereits vor drei Wochen hat das Johann-Hinrich-Wichernhaus begonnen, seine Mitarbeiter auf freiwilliger Basis zu testen. Die rund 95 Altenpflegerinnen und Pfleger nahmen das positiv an. Auch die sonstigen knapp 50 Mitarbeiter des Heims, zum Beispiel aus Küche und Betreuung, nahmen teil. Niemand lehnte einen Test ab. „Die Mitarbeiter wollten ja auch Sicherheit haben und die Tests geben ihnen Sicherheit“, sagt Einrichtungsleiter Raphael Baumann.

Das Wichernhaus sei mittlerweile komplett durchgetestet. Es habe dort keinen positiven Fall gegeben. Mittlerweile sind auch in den zwei weiteren Seniorenheimen in der Stadt Mitarbeitertests angelaufen. Sowohl im Awo-Seniorenzentrum am Rosengarten, als auch im DRK-Heim in Mörsbach können Mitarbeiter sich jetzt Corona-Tests unterziehen.

Im Wichernhaus seien täglich 10 Mitarbeiter dran, erklärt Einrichtungsleiter Baumann. Die bisherigen Tests liefen so ab, dass die Mitarbeiter sich zunächst registrierten. Unmittelbar nach Feierabend um 18 Uhr rief die Teststation die Mitarbeiter an, dass diese nun vorbeikommen können. Dort bekamen sie dann einen Abstrich im Rachenbereich. Antikörpertests, die teilweise auch schon eingesetzt werden, sind nicht Teil des Pilotprojekts. Mit ihnen könnten Infektionen erst ab der zweiten Woche erkannt werden. Beim Mitarbeitertest geht es aber vor allem um die frühzeitige Entdeckung der Infektion. Mittlerweile sind einige Mitarbeiter schon zum zweiten mal getestet worden. „Das ist ein ständiger Rundlauf, alle 14 Tage“, erklärt Baumann.

Doch warum testet man die Mitarbeiter jetzt, wo Altenheime in Rheinland-Pfalz auch für Besucher wieder offen sind? „Aus meiner Sicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Mitarbeitertests“, sagt der Zweibrücker CDU-Landtagsabgeordnete und Allgemeinarzt Dr. Christoph Gensch. Konsequenterweise müssten zwar auch Besucher getestet werden. Es mache aber einen Unterschied, ob ein Besucher seinen Angehörigen kurz besucht – dabei Abstand hält und Mundschutz trägt, oder ob es sich um einen Pfleger handelt, der viel engeren Kontakt zum Heimbewohner hat und diesen zum Beispiel wäscht. Gerade jetzt, wo die Corona-Maßnahmen wieder immer mehr gelockert werden, sei es wichtig, Mitarbeiter zu testen. Das Risiko, dass sich die Mitarbeiter infizieren sei größer, als noch vor zwei Wochen, als Pfleger außerhalb der Einrichtung nur Kontakt zu ihren engsten Familienmitgliedern hatten, so Gensch.

Das Pilotprojekt verfolge das Ziel unerkannte, asymptomatische Virus-Träger unter den Mitarbeitern frühzeitig zu erkennen. So könnten Bewohner vor einer Infektion geschützt werden. Sollte ein Mitarbeitertest positiv ausfallen, würden entsprechende Isolationsmaßnahmen eingeleitet: Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin käme in Quarantäne, die Infektionskette würde akribisch zurückverfolgt und Besucher dürften das Heim dann wieder für 14 Tage nicht besuchen, sagt Baumann.

Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) erklärt die Teilnahme der Stadt am Pilotprojekt damit, dass hier etwa beim frühen Einsatz der Testcontainer bereits „große Erfahrung im Zusammenhang mit Corona-Tests“ gesammelt wurde. Außerdem sei Gensch, der in engem Kontakt mit Baumann stand, laut Wosnitza „die treibende Kraft“ bei der Umsetzung gewesen. Gensch erklärt, dass in den Krisenstäben zuletzt verstärkt über potenzielle Gefahrenherde für ältere Menschen in Pflegeheimen gesprochen wurde. Das Wichernhaus signalisierte Bereitschaft, sich einbringen zu wollen und so initiierte Gensch das Projekt.

Der Zweibrücker Landtags- Abgeordnete Christoph Gensch Foto: CDU-Fraktion Foto: CDU Zweibrücken

Auch in anderen Städten seien Mitarbeiter vieler Pflegeheime schon getestet worden – im Saarland sogar alle Einrichtungen. Gensch geht davon aus, dass bald überall getestet wird. Vielleicht mit ähnlichen Abläufen wie in diesen Wochen in Zweibrücken.