1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Zweibrücken: Werner Boßlet 2023 in Ruhestand - UBZ-Stellenausschreibung

Wird erstmals eine Stadt-Tochter von einer Frau geführt? : UBZ steht vor Führungswechsel

Vorstand Werner Boßlet geht Ende März in Ruhestand. Die Nachfolge ist jetzt ausgeschrieben. Als Top-Kandidatin gilt, nicht nur wegen der geforderten Qualifika­tionen, Nicole Hartfelder. Doch auch andere Namen kursier(t)en in der Stadtpolitik.

„Ruhestand“ und Werner Boßlet – das ist eigentlich unvorstellbar. Denn „Ruhe“ ist so ziemlich das Letzte, was man mit dem Chef des UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) verbindet. Zum einen, weil Boßlet seit vielen Jahren einen hervorragenden Ruf als kreativer und kluger Macher genießt, der neben den klassischen Entsorgungsbetrieb-Aufgaben auch publikumswirksame weitere Bereiche wie den Rosengarten, Straßen, Grünpflege, Untere Naturschutzbehörde und Friedhöfe von der Stadt übernommen hat. Zum anderen, weil auch Boßlets Temperament alles andere als Ruhe ausstrahlt. Doch Boßlet wird nächsten März 66 Jahre alt – und wechselt deshalb dann vom UBZ-Vorstandssessel in den Ruhestand.

Der UBZ hat seine Nachfolge jetzt ausgeschrieben. In den Samstagausgaben der regionalen Tageszeitung war eine kleine Stellenanzeige „Vorstand (m/w/d), die auf die UBZ-Homepage verweist, wo die geforderten Qualifikationen für die Stelle detailliert beschreiben sind.

In den vergangenen Wochen kursierten in der Zweibrücker Stadtpolitik nach vertraulichen Merkur-Informationen bereits einige Namen potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten.

Sehr Viele sähen am liebsten Nicole Hartfelder als Nachfolgerin Boßlets. Dies wäre nicht nur die „natürliche“ Lösung, denn die 13 Jahre jüngere Hartfelder ist seit Mai 2015 Boßlets Stellvertreterin und „Technischer Vorstand“, nachdem sie seit schon seit 2009 Abteilungsleiterin Abwasser war – Hartfelder hat sich zudem auch einen exzellenten Ruf erarbeitet.

Auch Namen aus der zweiten Führungsebene des UBZ waren im Gespräch, darunter Daniel von Gyldenfeldt, Leiter der Abteilung „Gebühren und Entgelte“ oder Stephan Frank, der die Abteilung „Finanzen und Controlling“ führt. Sie könnten zumindest auf Hartfelder jetzige Position aufrücken, falls sie Boßlet-Nachfolgerin wird

 „Unser Vorstand und das Service-Team Verwaltung“: So präsentiert sich der UBZ derzeit auf seiner Homepage, von links: Werner Boßlet (Vorstand), Nicole Hartfelder (Technischer Vorstand und Stellvertreterin), Petra Alms (Sekretariat Vorstand), Stephan Frank (Finanzen und Controlling), Daniel von Gyldenfeldt (Gebühren und Entgelte).
„Unser Vorstand und das Service-Team Verwaltung“: So präsentiert sich der UBZ derzeit auf seiner Homepage, von links: Werner Boßlet (Vorstand), Nicole Hartfelder (Technischer Vorstand und Stellvertreterin), Petra Alms (Sekretariat Vorstand), Stephan Frank (Finanzen und Controlling), Daniel von Gyldenfeldt (Gebühren und Entgelte). Foto: www.ubzzw.com/Screenshot

Wie Nicole Hartfelder wäre auch Eckart Schwarz eine Art „natürlicher“ Nachfolger Boßlets. Denn Schwarz war vor Hartfelder sechs Jahre lang Boßlets Stellvertreter, bevor er im Mai 2015 als neuer Werkleiter zur Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land wechselte. Auch Schwarz genießt einen exzellenten Ruf. Der Experte für Wasser- und Abfallwirtschaft sitzt zwar schon auf einem Chefsessel und fühlt sich nach Merkur-Informationen auch so wohl, dass vielfach bezweifelt wird, ob er sich als UBZ-Chef bewirbt – aber die Werke Zweibrücken-Land sind viel kleiner und haben deutlich weniger vielfältige Aufgaben als der UBZ.

Die UBZ, formell eine „Anstalt des öffentlichen Rechts“, gehört zu den sogenannten „Stadt-Töchtern“. Bei der Gewobau waren der aktuelle und der vorige Geschäftsführer zuvor Amtsleiter der Stadtverwaltung gewesen. Insofern wäre nicht überraschend, wenn es auch von dort Bewerbungen um den UBZ-Führungsposten gibt. Konkret kursierten die Namen Thomas Deller (Schulverwaltungs- und Sportamtsleiter) und Thilo Huble (Kultur- und Verkehrsamtsleiter).

Sollten Deller und Huble sich Hoffnungen gemacht haben, sind diese durch den Anforderungs-Katalog allerdings geplatzt.

Denn in der Stellenausschreibung auf der UBZ-Homepage heißt es zunächst allgemein: „Für diese verantwortungsvolle Stelle suchen wir eine Führungspersönlichkeit mit fundiertem technischen Fachwissen.“ Damit sind bereits alle potenziell Interessiertem aus dem Spiel, die mehr Verwaltungs-/Management-Erfahrung haben, und möglicherweise geglaubt haben, sie könnten eine Chance auch ohne fundiertes technisches Fachwissen haben, weil ja dieser Bereich durch Vorstandsmitglied Nicole Hartfelder bereits sehr gut abgedeckt ist.

Weiter heißt es in der Ausschreibung: „Die/der Bewerber:in muss zwingend folgende Voraussetzungen mitbringen“ – danach folgt eine Liste mit elf Anforderungen, beginnend mit „abgeschlossenes Hochschulstudium mit technischem Schwerpunkt, vorzugsweise umwelt-, abwasser- und/oder abfalltechnischer Schwerpunkt, vorzugsweise qualifizierter Abschluss als Dipl.-Ingenieur:in bzw. Master- oder vergleichbarer Abschluss“.

 Eckart Schwarz war lange Stellvertreter Boßlets und leitet heute die Werke Zweibrücken-Land.
Eckart Schwarz war lange Stellvertreter Boßlets und leitet heute die Werke Zweibrücken-Land. Foto: Dietmar Leineweber

Ein Kriterium, das selbst für für bewährte Koryphäen wie Werner Boßlet ein K.o.-Kritierium sein könnte. Als es 2008 um die Nachfolge von Günter Kammann als EBZ-Chef ging (der Entsorgungsbetrieb wurde umbenannt, nach dem die Friedhöfe dazukamen), wurde im Auswahlverfahren „Regionalbezug“ fünffach positiver gewichtet als eine Hochschulausbildung. Damals gab es aus der Opposition auch bei Boßlet-Unterstützern Kritik daran, dass die Auswahl-Kriterien klar auf ihn zugeschneidert seien, Bewerber von außen deshalb von vornherein kaum eine Chance hätten.

Diesmal dagegen wird die Messlatte formeller Anforderungen sehr hoch gelegt – was in Kombination mit der Formulierung „zwingend“ den Kreis potenzieller Kandidaten deutlich einschränkt.

Aber auch diesmal eröffnet die Ausschreibung der Vize-Person im Vorstand beste Chancen auf eine aussichtsreiche Bewerbung. Denn Nicole Hartfelder erfüllt als studierte Bauingenieurin mit dem Schwerpunkt Wasser- und Abfallwirtschaft nicht nur exakt das geforderte Hochschul-Profil. Auch das zweite Kriterium erfüllt sie voll: „langjährige Berufserfahrung in leitender Funktion in einem Unternehmen / einer Behörde, vorzugsweise in einem Unternehmen / einer Behörde im Bereich der Wasserwirtschaft / Abfallwirtschaft / Anlagentechnik“. Auch die weiteren Kriterien – darunter sogenannte weiche Qualifikationen wie „sehr gute Kommunikations- und Konfliktfähigkeit“ oder „hohe Sozialkompetenz, Fähigkeit zur Mitarbeiterführung und Mitarbeitermotivation“ dürfte Hartfelder sehr gut erfüllen – falls sie sich zu einer Bewerbung entscheidet.

Sehr gute Karten könnten aber auch Bewerberinnen und Bewerber haben, deren Namen bislang noch überhaupt nicht in Zweibrücken kursieren – weil sie nämlich hier (noch) niemand kennt. Deutschlandweit dürfte es Viele geben, die wie Hartfelder die in der Ausschreibung geforderten Kriterien sehr gut erfüllen. Noch ist also alles offen.

Bewerbungsschluss ist der 24. Oktober. Die Stelle ist für fünf Jahre ausgeschrieben und mit E 15 oder A 15 besoldet. Mit dem Auswahlverfahren hat der UBZ die Berliner „uve GmbH für Managementberatung“ betraut.
Die detaillierte Ausschreibung ist online einsehbar auf www.ubzzw.com/ueber-uns/stellenangebote-und-ausbildung/stellenausschreibung-vorstand/