Warum die Vögel so ein großes Problem sind Nilgänse werden in Zweibrücken gerettet – dabei sind sie mittlerweile eine Plage

Zweibrücken · Ob am Flussufer, auf der Liegewiese oder in der Gestütsallee: Nilgänse fühlen sich in Zweibrücken wohl. Doch sie sorgen auch für große Probleme.

 Im Rosengarten in Zweibrücken leben ebenfalls Nilgänse. 19 Tiere wurden bisher im Bereich Zweibrücken von Jägern erlegt.

Im Rosengarten in Zweibrücken leben ebenfalls Nilgänse. 19 Tiere wurden bisher im Bereich Zweibrücken von Jägern erlegt.

Foto: Heinz Schneck

Einen lebensbedrohlichen Ausflug hat eine Nilgans-Familie, bestehend aus Vater, Mutter und 13 kleinen Kücken vor Kurzem auf der Landstraße 471 gemacht (wir berichteten). Die Tiere wollten den sogenannten Bahneinschnitt überqueren und liefen aus diesem Grund entlang der Landstraße. Die Polizei Zweibrücken kam ihnen gemeinsam mit der Tierrettung Contwig zur Hilfe. Die Helfer konnten die Familie wider zurück an die Schwarzbach bringen.

Zweibrücken: Warum Nilgänse in der Stadt zur Plage geworden sind

Auch wenn der Rettungsaktion-Polizeibericht mit den Worten „Und so lebten sie glücklich und zufrieden“, endet, ist dieser Satz fast schon tragikomisch. Denn in Zweibrücken bereiten die Tiere große Probleme. Die Zahl der Nilgänse in Zweibrücken verdoppelt sich jährlich. Aktuell beläuft sich die Anzahl der Tiere auf 112, hinzu kommen 20 Jungtieren, informiert die Pressestelle der Stadt auf Merkur-Nachfrage. Eine exakte Angabe sei aufgrund nicht bekannter Brutorte sowie noch zu erwartender Jungtiere nicht möglich. Grundsätzlich sei allerdings der Trend zur jährlich deutliche ansteigenden Population in Zweibrücken zu erkennen.

Gründe hierfür seien das Fehlen von natürlichen Feinden, ein hohes Futterangebot und die Fütterung durch Menschen. Seit dem vergangenen Jahr sensibilisiert der UBZ (Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken) mit aufgestellten Hinweisschildern, dass wild lebende Tiere auf öffentlichen Flächen aus Respekt vor Tier und Mensch nicht gefüttert werden sollten. Diese sind beispielsweise auf dem Alexanderplatz, am Wasserspielplatz, in der Lützelstraße unterhalb der Brücke, der Allee und am Zweibrücker Freibad zu finden.

Fotos: Giftspinne, Riesenzecke, Schlangen und Co. im Saarland und der Großregion​
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Giftspinnen, Riesenzecken, Schlangen und Co. breiten sich im Saarland und in der Großregion aus

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Foto: Jürgen Peter/SZ

Warum die Nilgänse so große Probleme bereiten

Die Nilgänse haben dabei verschiedene Lebensräume in ganz Zweibrücken. Meist finde man sie in Gewässernähe oder an gemähten Wiesen mit Buschreihen, wie beispielsweise an der Rennwiese. Hier sollen laut den offiziellen Zahlen der Pressestelle drei Paare leben. Weitere Nilgänse wurden beispielsweise am Rosengarten, im Mühltal oder auf dem Flugplatz gesichtet. Eine große Anzahl der Tiere lebt in Niederauerbach. Hier haben sich rund 24 Tiere angesiedelt. Darauf folgt Mittelbach-Hengstbach mit 10 Nilgans-Paaren. Jungtiere wurden am Wasserspielplatz, an den Schrebergärten Bubenhausen sowie an der Nagelwerk-Wiese gesichtet.

19 Nilgänse wurden bisher im Bereich Zweibrücken bejagt.

19 Nilgänse wurden bisher im Bereich Zweibrücken bejagt.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Probleme bereiten die Nilgänse in Zweibrücken aufgrund ihrer Verkotung von Mauern, Geländern sowie Grün- und Gehflächen, wie beispielsweise im Rosengarten. Verschmutzungen im Freibad seien auf Nachfrage bei den zuständigen Stadtwerken bislang kein größeres Problem, schreibt die Pressestelle. Ein weiterer Punkt sei, dass die Nilgans aufgrund ihrer Ausbreitung im Laufe der Zeit andere Arten verdränge. Mit anderen Wildgänsen gäbe es in Zweibrücken zurzeit keine Probleme.

Der UBZ hat Hinweisschilder in zweibrücken angebracht, das darauf hinweist, das Tiere nicht gefüttert werden sollten.

Der UBZ hat Hinweisschilder in zweibrücken angebracht, das darauf hinweist, das Tiere nicht gefüttert werden sollten.

Foto: Lutz Fröhlich

So viele Tiere wurden in Zweibrücken bereits erlegt

Die Nilgans ist ein Neozoon, also eine mit menschlicher Hilfe in einem Gebiet, in dem sie eigentlich nicht heimisch war, angesiedelte Art. Sie steht auf der EU-Liste der invasiven Arten, gilt in Deutschland jedoch als etabliert und unterliegt dem Jagdrecht. Da es sich bei den Tieren um jagdbares Wild handelt, wurden im Bereich der Stadt Zweibrücken bisher 19 Alttiere erlegt. Sonstige Maßnahmen gegen die Nilgänse seien aktuell nicht in Planung, teilt die Pressestelle der Stadt Zweibrücken mit.

Ob die Tiere anschließend gegessen wurden, wisse die Stadtverwaltung nicht. „In der Regel ist es aber so, dass Jäger erlegte Tiere verspeisen“, erklärt Stadtpressesprecher Jens John. Dass die gerade von der Polizei gerettete Nilgansfamilie irgendwann wie ihre Artgenossen enden könnte, wirke auf den ersten Blick etwas merkwürdig. „Aber Rehkitze werden ja auch bejagt, obwohl sie in Notsituationen gerettet werden“, sagt John. Während europäische Vogelarten nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt sind, fällt die Nilgans als ursprünglich nicht heimische Art nicht unter diese Bestimmung.

Was aus den erlegten Nilgänsen wurde, bleibt also unklar. Sicher ist allerdings: Die Tiere sind essbar. Ihr Geschmack hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Ernährung, dem Alter und der Zubereitung. In der Regel wird das Fleisch der Wildgans als zart und aromatisch beschrieben. Es hat einen leicht nussigen Geschmack, das an Entenfleisch erinnert und ist eine gute Quelle für Eiweiß und Eisen.

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