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„Zweibrücken war eine wunderbare Zeit“

„Zweibrücken war eine wunderbare Zeit“

„Wege, die man nicht vergisst“, lautet das neue Buch von Dietmar Grieser. Der gebürtige Zweibrücker lebt seit vielen Jahren in Wien. Dort wurden einige seiner Werke zu Bestsellern. Im Interview mit Merkur -Mitarbeiterin Nadine Lang erzählt er, was ihn heute noch mit Zweibrücken verbindet und wie sehr ihn die Selbstkritik beeinflusst.

Herr Grieser, in Ihrem Buch "Wege, die man nicht vergisst" schreiben Sie von Straßen und Wegen, die Ihnen in Ihrem Leben begegneten. Auch Zweibrücken hat darin seinen Platz, allerdings unter dem Kapitel "Traumatische Straßen". Hat es Ihnen in Zweibrücken nicht gefallen?

Dietmar Grieser: Es war eine herrliche Zeit aber es hat sich so ergeben, dass mir beim Schreiben des Buches so ein paar Dinge eingefallen sind, an die ich nicht so wahnsinnig gerne erinnert werde. Aber das Ganze ist ja selbstironisch und selbstkritisch geschrieben - daraus dürfen sie also keine falschen Schlüsse ziehen. Zweibrücken war für mich eine wunderbare Zeit und der Einstieg in den Beruf. Alles was ich gelernt habe, habe ich beim Pfälzischen Merkur gelernt im Laufe des Volontariatsjahres. Ging Ihr journalistischer Weg weiter und wie kamen Sie dann zur Schriftstellerei?

Grieser: Ja, der ging weiter. Ich bin dann 1957 nach meinem Studium in Münster nach Wien gegangen und bin dort - wie so viele - hängen geblieben. Ich musste mir dann natürlich meinen ersten Job suchen, und der sollte natürlich wieder eine Zeitung sein und das war es dann auch - eine Wochenzeitung, der ich viele Jahre gedient habe. Und dann könnte so um das Jahr 1970 herum ein Tag gekommen sein, an dem ich mir gedacht habe, es könnte auch mal etwas sein, von dem vielleicht mal ein bisschen was bleibt, im Gegensatz zur Tagesarbeit bei der Zeitung. Das waren dann literarische Reportagen, die zuerst im Rundfunk gesendet wurden. Dann kam irgendjemand auf die Idee, das gehört ausgebaut zu einem Buch und so ist 1973 mein erstes Buch erschienen. Dem sind im Lauf der vielen Jahrzehnte 43 weitere gefolgt. Aber ich bin nun ja schon 81 und dann lassen die Kräfte ein ganz klein wenig nach. Ich schreibe nach wie vor, aber nun nicht mehr verbunden mit den großen Reisen der frühen Jahre, sondern nun schöpfe ich eher aus den Erinnerungen. Und so kommt noch hin und wieder ein kleiner österreichischer Bestseller dabei heraus.

Ihre Bücher handeln viel vom Reisen, war das Ihre zweite Leidenschaft neben dem Schreiben?

Grieser: Es war die große Leidenschaft, ja. Und ich bin wirklich ein paar Mal um die Welt gekommen. So hieß dann auch eines der Bücher, nach dem auch eine Fernsehserie gedreht wurde.

Jetzt sind Sie so viel gereist und haben so viele Erinnerungen davon in dieses Buch gepackt - war es da schwer, sich für eine gewisse Auswahl an Straßen zu entscheiden?

Grieser: Also ich habe mir das genau überlegt. Es sollten Straßen sein, die wirklich was hergeben, beispielsweise die Straßenbahn in New Orleans. Natürlich war auch klar, dass ein Kapitel von meinen allerersten Schritten in Wien handeln musste, wie ich mit dem Nachtzug aus Deutschland ankomme morgens um sechs.

Einige Ihrer Bücher wurden in Österreich zu Bestsellern. Hatten Sie davor je selbst am Erfolg Ihrer Bücher gezweifelt?

Grieser: Ja, im größten Maße. Ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch. Es hat mich dann um so mehr überrascht, dass die Dinge eingeschlagen haben. Aber man gewöhnt sich daran nicht etwa, es bleibt immer der Zweifel und bei jedem Buch immer wieder die große Aufregung beim ersten Exemplar - interessiert sich dafür jemals ein Mensch?

Sie waren in Zweibrücken sogar ein Jahr lang Stadtschreiber, was haben Sie da erlebt?

Grieser: Das war ein Ding, zum 650-Jahre-Jubiläum. In dieser Zeit habe ich auch ein Buch geschrieben, "Von Zweibrücken in die Welt", da habe ich mich auf die Suche nach Berühmtheiten gemacht, die alle aus Zweibrücken kommen oder etwas mit der Stadt zu tun hatten. Und die Lebenden habe ich dann im Anschluss auch aufgesucht. Das war schön, dieses Jahr.

Sie kehren also auch immer wieder gerne zurück?

Grieser: So ist es, ich freue mich immer sehr. Die Häuser sind alle noch da, wo ich früher gelebt habe. Dietmar Grieser kommt zu einer Lesung in seine Heimatstadt. Am Dienstag, 27. Oktober, liest er um 19.30 im Herzogsaal aus seinem aktuellen Buch "Wege, die man nicht vergisst. Entdeckungen und Erinnerungen".